CARMEN LA CUBANA

CARMEN LA CUBANA in München

Gestern war ein besonderer Abend für mich: Gemeinsam mit Sascha vom Blog in Orange durfte ich die Premiere von CARMEN LA CUBANA im Deutschen Theater München erleben. Ich liebe Musicals! Voller Vorfreude machte ich mich daher auf den Weg in die Innenstadt und sollte nicht enttäuscht werden. Doch vor dem außergewöhnlichen Kulturgenuss legten mir die übelwollenden MVV-Götter zunächst einmal jede Menge Steine in den Weg. Normalerweise gehört das Meckern über den öffentlichen Nahverkehr nicht in eine Theaterkritik. Doch in diesem Fall muss ich einfach eine Ausnahme machen.

Denn bereits seit dem Sommer 2017 werkelt die MOEG GmbH am EVER.S., einem Einkaufszentrum, das sich zum neuen Mittelpunkt unseres Stadtteils entwickeln soll. Seitdem ist – um es wohlwollend zu formulieren – der ÖPNV am Münchner Oertelplatz zusammengebrochen. Laster und Baukräne verstopfen die Straßen und sorgen für Staus. Dadurch erhält das Überqueren der Straße den kamikazeähnlichen Charme eines Bungee-Sprungs ohne Seil vom Olympiaturm. Haltestellen werden immer wieder ohne Vorwarnung verlegt. Busse kommen zu spät oder starten zu früh, auf den ohnehin schon zu schmalen Bürgersteigen drängen sich die Passanten und kämpfen um einen Platz zum Atmen und den S-Bahnhof Allach erreicht man inzwischen nur noch durch einen »Fußgängertunnel«, der auch gern schon mal durch die Abwesenheit von Licht glänzt.

Warum ich hier so ausschweife? Nun, die Situation nervt mich. Gestern kam mein Bus wieder einmal zu spät, zwischen mir und der S-Bahn wuselten gefühlt 200 ebenfalls genervte Mitbürger und ich konnte die S2 nur durch einem Sprint im Schweinsgalopp erreichen. Mein Herzschlag brauchte bis zum Stachus, um sich wieder zu normalisieren. Und da ich weiß, dass viele Menschen denken, dass so ein Bloggerleben nur aus Glanz, Gloria und Theaterpremieren besteht, dachte ich, ich gönne dir mal einen kleinen Einblick in die Schattenseiten meines Daseins. Doch nun zurück zum eigentlichen Thema: CARMEN LA CUBANA!

 

Theaterplakat

Theaterplakat

 

Bizets »Carmen« als Musical mit karibischem Temperament:

Mit CARMEN LA CUBANA kommt 2018 das erste Musical aus Kuba nach München. Es ist die atemberaubende Neuinterpretation des legendären → »Carmen«-Stoffes und der ebenso vertrauten wie beliebten Melodien Georges Bizets. Der international anerkannte Opern- und Musical-Regisseur Christopher Renshaw sowie Arrangeur und Tony-Award-Preisträger Alex Lacamoire verlegen die Handlung nach Kuba am Vorabend der Revolution. Eine originelle Idee, wie ich finde!

Opulente, farbenprächtige Tableaus und atmosphärisch dichte Szenen führen von einer Zigarrenfabrik mit hinreißenden »Tabakblumen« (tabaqueras) im ländlichen Südosten der Insel in das lebendige Treiben der Bars und Clubs Havannas. Eine 14-köpfige Latin-Big-Band gibt dabei CARMEN LA CUBANA musikalisch eine einzigartige kubanische Note, durch welche die freiheitsliebende und von Luna Manzanares Nardo ausgesprochen trotzig- frech gespielte Carmen noch mehr Feuer und Überzeugungskraft gewinnt.

In drei Jahren Entwicklungszeit entstand ein Stück Musiktheater, das mit karibischen Rhythmen, leidenschaftlichem Gesang und temperamentvollem Tanz Opernkenner wie Musical-Liebhaber auf künstlerisch höchstem Niveau überzeugt. Nach der umjubelten Weltpremiere und einer erfolgreichen Saison 2016 am Pariser Théâtre du Châtelet darf sich nun auch das Publikum in Köln, London, Leipzig, Frankfurt, Berlin, München und Zürich auf Gastspiele von CARMEN LA CUBANA freuen.

 

Carmen weckt den Neid der Frauen und die Lust der Männer ...

Carmen weckt den Neid der Frauen und die Lust der Männer …

 

La Carmencita geht auch auf Kuba temperamentvoll ihren Weg:

»Drei Monate in Havanna zu leben und mit kubanischen Schauspielern, Sängern und Musikern das Musical zu entwickeln, war eine wunderbare Erfahrung«, blickt Christopher Renshaw auf die Entstehung des Stückes zurück. »Leidenschaftliche Liebe, Salsa und Revolution! Was für ein Geschenk an jeden Regisseur!« In den Wirren der kubanischen Revolution begegnen sich Carmen und der junge Soldat José. Es ist der Beginn einer fatalen Liebesgeschichte, die im berüchtigten Nachtleben Havannas ein jähes, blutiges Ende findet.

Mit Raffinesse inszenieren der kubanische Autor Norge Espinosa Mendoza und der britische Musical-Experte Stephen Clark das Drama in der Hitze der tropischen Insel. Die Hauptstadt wird zum Schauplatz von Eifersucht und Revolte, das karibische Temperament zum Treibstoff des tragischen Geschehens. Carmens hitziger, schonungslos offener Kampf um ihre eigene Unabhängigkeit findet ihre Entsprechung in den Schlachtrufen der kubanischen Revolution und verleiht dem Stoff somit eine ganz neue historische Dimension.

 

¡Viva la la revolución! Auch Sargento Moreno ist Carmens Reizen verfallen ...

¡Viva la la revolución! Auch Sargento Moreno ist Carmens Reizen verfallen …

 

Musik und Tanz – mano a mano:

»Carmen« zählt zu den bekanntesten und meist gespielten Titeln des Opernrepertoires. Grammy- und Tony-Award-Preisträger Alex Lacamoire verleiht den vertrauten Melodien mit seinen modernen Arrangements ein faszinierenderes afro-kubanisches Flair und schlägt mit CARMEN LA CUBANA zugleich konsequent eine musikgeschichtliche Brücke, denn auf Kuba fanden verschiedene Lied- und Tanzformen wie etwa die »Habanera« ihren Ursprung. Nachdem der Arrangeur mit kubanischen Wurzeln bereits für seine Orchestrierung der Broadwayhits »Hamilton« (2016) und »Dear Evan Hansen« (2017) mit dem Tony Award ausgezeichnet wurde, schafft er mit dem Musical CARMEN LA CUBANA eine ungewöhnlich mitreißende Mischung aus Opernklängen und vibrierenden Latin Sounds.

Im Zusammenspiel mit den energiegeladenen Choreografien von Roclan González Chávez, der kongenial kubanische Stile wie Rumba oder Mambo mit zeitgenössischem Vokabular verbindet, transportiert sich das berauschende Lebensgefühl Kubas direkt in den Saal. Soll heißen: Den Großteil des Stückes über musste ich mich gedanklich an meinen Sitz fesseln, um nicht spontan auf die Bühne zu springen und mitzusingen und mitzutanzen. Lediglich in der siebten Szene des zweiten Aktes hinter dem Casino hätte ich mir gewünscht, dass Cristina Rodriguez Pino als Marilù sich mit ihrem Lied »Mi José« ein bisserl kürzer fasst, zumal der Text nun nicht gerade besonders abwechslungsreich ist und ich mich dabei ertappte, mir Gedanken über meinen letzten Besuch beim Frauenarzt und meinen Uterus zu machen …

 

Rasante Tanzeinlagen mit starken Frauen beherrschen das Stück

Rasante Tanzeinlagen mit starken Frauen beherrschen das Stück

 

Carmen lebt und liebt seit über 200 Jahren …

CARMEN LA CUBANA entstand aus einem Stoff, der die Menschen bereits seit dem 19. Jahrhundert fasziniert. Im Jahre 1845 schuf der Franzose Prosper Mérimée die provokante Geschichte. 30 Jahre später folgte Georges Bizets Oper, die heute zu den Klassikern des Musiktheaters zählt. Nachdem Oscar Hammersteins Carmen Jones 1943 als Afroamerikanerin den Broadway eroberte, erlebt die Geschichte mit ihrer Verlegung nach Kuba nun eine packende Weiterentwicklung:

Es ist ein heißer Tag im Jahr 1958. In der Provinz von Santiago de Cuba träumt Carmen von einem besseren Leben und flüchtet sich von einem Liebesabenteuer ins andere. Auch der junge Soldat José erliegt ihrem Charme und attackiert einen Feldwebel aus falsch verstandenem Ehrgefühl. Das Paar flieht in die Hauptstadt, wo Carmen sich in das berüchtigte Nachtleben stürzt. Ein Flirt mit dem Boxer El Niño Martinez wird ihr schließlich zum Verhängnis …

 

Was wäre wohl passiert, wenn sich Carmen und El Niño Martinez nie begegnet wären?

Was wäre wohl passiert, wenn sich Carmen und El Niño Martinez nie begegnet wären?

 

Gefeierte Uraufführung an der Seine:

Als sich 2016 der Vorhang für die Weltpremiere des ersten kubanischen Musicals CARMEN LA CUBANA 2016 am Pariser Théâtre du Châtelet hob, überschlugen sich Presse und Publikum vor Begeisterung: »Eine Carmen-Version muy caliente, die die Zuschauer elektrisiert«, jubelte Le Figaro. »Witzig und sexy. […] eine atemberaubende Inszenierung«, schwärmte Le Parisien. »Es funktioniert«, bekannte France Inter: »Die kubanischen Rhythmen, die die musikalisch wohlbekannten Themen durchdringen, jagen einem wahre Schauer über den Rücken. Das Publikum verlässt das Theater Abend für Abend vollkommen überwältigt und begeistert.« Kurz: Diese Carmen hat das Zeug, das Publikum wieder und wieder zu verführen.

 

Meine persönliche Heldin der Aufführung: Albita Rodriguez als fulminante Erzählerin

Meine persönliche Heldin der Aufführung: Albita Rodriguez als fulminante Erzählerin

 

Bananenschneckerls Resümee:

¡Viva CARMEN LA CUBANA! Die Oper »Carmen« von Georges Bizet ist ein echter Bühnenklassiker und wurde weltweit schon in vielen Varianten inszeniert. Etliche Aufführungen durfte ich in den vergangenen Jahren bereits genießen, darunter in Dortmund, Köln, London und Paris. Hervorragend waren sie alle. Doch keine Inszenierung hat mich bislang so tief berührt wie CARMEN LA CUBANA. Ich war und bin hingerissen! Wenn du Musicals ebenso sehr liebst wie ich, solltest du dir das Stück unbedingt ansehen.

In erster Linie basiert meine Begeisterung ganz sicher auf der professionell in Szene gesetzten Story, dem gelungenen Bühnenbild und den authentischen Kostümen sowie nicht zuletzt an den rasanten Tanzeinlagen. Doch nicht nur die Tänzer, auch die Sänger konnten mich überzeugen. Zu meiner großen Verblüffung waren es aber nicht etwa die beiden Hauptdarsteller Luna Manzanares Nardo als Carmen und Saeed Mohamed Valdés als José, die bei mir mit ihren Stimmen für wohlige Gänsehautffekte sorgten, sondern vor allem die grandiose Albita Rodriguez als Erzählerin. Was für eine Sängerin, was für eine Darstellerin!

Drei bittere Tropfen gab es allerdings in meiner »Theatermedizin«:

1. José, den Marilù eingangs als großen, stattlichen Mann mit weißen Zähnen beschreibt, entpuppt sich als eher unscheinbar und schüchtern. In meinen Augen ist es unwahrscheinlich, dass eine Frau wie Carmen sich in ihn verliebt. Noch unwahrscheinlicher, dass ein Mann wie José vor Eifersucht derart in Raserei gerät, dass er Carmen am Ende erdolcht. Doch da mir solch ein Verhalten ohnehin fremd ist, liegt diese Wahrnehmung vielleicht auch nur an mir. 2. Carmen, wenn auch großartig gespielt und gesungen, war nicht nur in meinen Augen zu wenig »femme fatale«, um so viele Männer in ihren Bann zu ziehen. 3. Das Stück ist spanischsprachig und die deutschen Übertitel waren leider nicht immer ganz synchron zur Handlung.

Alle drei Punkte sind aber Kritik auf hohem Niveau und tun dem Theatergenuss keinen Abbruch. Schon gar nicht, wenn du so wie ich Spanisch sprichst. Du solltest daher auf keinen Fall darauf verzichten, dir das Stück anzusehen. Das Musical → CARMEN LA CUBANA läuft noch bis zum 28. Oktober am Deutschen Theater München. Informationen zu Terminen und Vorverkauf findest du auf der → Website des Theaters.

Ich hatte übrigens nicht nur einen wundervollen Abend mit → Sascha, sondern durfte mich darüber hinaus über ein Wiedersehen mit unserem Freund Florian »Flo« Hüttner freuen. Als Schauspieler und Musical-Darsteller hatte Flo natürlich seine ganz eigene Meinung zum Stück, daher haben wir auf der anschließenden Premierenparty noch äußerst angeregt über die Aufführung geplaudert. Und lieber Félix: Es war mir eine Ehre und Freude, dich gestern kennenzulernen. Ich freue mich schon auf unser nächstes Zusammentreffen!

XOXO

Sissi

[Fotos: Nilz Böhme und → Johan Persson für → Deutsches Theater München]

 

Comments
15 Responses to “CARMEN LA CUBANA in München”
  1. Vanessa sagt:

    Au Mann, dass mit den Öffis klingt schon mal richtig fies. Da bin ich immer froh, dass ich in einer Vorstadt wohne, die keine Bauprojekte in der Größe bekommt.

    Leider werde ich das Stück nicht schaffen. Aber ich finde Carmen schon sehr spannend. Das habe ich sogar schon im Open Air Theater in Braunschweig gesehen. Aber jetzt mal kubanisch finde ich richtig cool.

    Wie schade, dass das Stück nur in München (also Deutschland) halt macht. Danke dir, dass du uns so einen tollen Einblick gibst.

    xoxo dein Lipstickbunny Vanessa

  2. Billchen sagt:

    Ich gehe richtig gerne zum Musical bzw. ins Theater, aber leider klappt es viel zu selten. Die Neuinterpretation klingt toll, das kann ich mir auch gut vorstellen.

    Liebe Grüße

    Sybille

  3. Lisa sagt:

    Oh, das sieht aber interessant aus, ich mache sowas leider viel zu selten. Das klingt echt nach einem schönen Abend.

    Liebe Grüße

    Lisa

    • Ich schaffe es leider auch nicht so oft ins Theater, wie ich möchte. Aber eine Aufführung im Monat versuche ich mir schon zu gönnen. Und CARMEN LA CUBANA hätte ich um keinen Preis der Welt verpassen wollen.

      XOXO

      Sissi

  4. Jana sagt:

    Ich liebe Musicals auch total, leider wohnen wir in einer Ecke, wo wir nicht so viele davon sehen können, ohne dafür durch halb Deutschland zu reisen! Mein letztes war “Ghost” in Berlin! Für Carmen wäre ich nicht so zu begeistern, vor allem auch wegen deiner Kritikpunkte! Aber es gibt noch so viele schöne!

    Liebe Grüße

    Jana

  5. Sissy sagt:

    Ich liebe Carmen und diese Neuinterpretation könnte mir sehr gut gefallen. Ich verstehe aber deinen Minuspunkt mit der Sprache: Ich kann kein Spanisch und ich glaube, dass mir das mit den Untertiteln auch ganz schön auf die Nerven gehen würde. Ich hab immer das Gefühl ich verpasse was!

  6. Perdita sagt:

    Ein toller Bericht!!! Zu gerne wäre ich dabei gewesen. Carmen gehört zu meinen absoluten Lieblingsstücken.

    LG Perdita

  7. Leane sagt:

    Das war sicherlich ein wunderschöner Abend und eine grandiose Aufführung, ich habe mich gerade beim Lesen wieder ein wenig nach Cuba zurückversetzen lassen, ich liebe ja Cuba, unser Urlaub dort war mega schön.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag!

    Liebe Grüße

    Leane

  8. Das Stück Carmen haben wir damals in der Oberstufe in Musik besprochen. Das hat mich schon sehr angesprochen. Hier nun über die kubanische Musicaldarstellung zu lesen, hat mich sehr fasziniert. Das wäre definitiv ein Stück, welches ich mir ansehen würde (wenn München nicht so weit weg wäre!).

    Leider durfte ich musicaltechnisch bisher “nur” in den Geschmack von König der Löwen kommen, aber dieses hier werden ich mir merken.

    Vielleicht kann ich ja meinem Verlobten zu einem Münchenwochenende mit Musicalbesuch überreden.

    Herzliche Grüße aus Oldenburg 🙂

    Michelle

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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

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