Schlauchboottour auf der Isar

Schlauchboottour auf der Isar

Vorletzten Freitag durfte ich ein Abenteuer der besonderen Art erleben: Die liebe Dany von der Isarrettung aka Wasserwacht Ortsgruppe München-Mitte lud mich zur Schlauchboottour auf der Isar ein. Da habe ich mich natürlich nicht zwei Mal bitten lassen, denn damit wurde ein lang gehegter Traum wahr. Ursprünglich wollten wir schon im Juni über den Alpenfluss paddeln. Doch die anhaltenden starken Regenfälle im Frühsommer ließen den Wasserstand der Isar bedrohlich steigen: Am 13. Juni meldete der → Hochwassernachrichtendienst Bayern einen Wasserstand von 165 Zentimetern in München. Dumm gelaufen! Ab einem Pegel von 120 Zentimetern sollte man die Isar zwischen Wolfratshausen und München nämlich nicht mehr befahren, da die Strömung unberechenbar werden und Treibgut die Boote beschädigen kann. Ein Ausweichtermin musste her! Und wieder hieß es bibbern …

Warum? Auf den Dauerregen folgte eine → Hitzewelle, auf Hochwasser Niedrigwasser. Sämtliche Gewässer wärmten sich alarmierend auf, so auch die Isar. Zum Schutz der Lebewesen an und in der Isar baten die zuständigen Landratsämter darum, auf das Bootsfahren zu verzichten. Kurz vor knapp prasselte dann doch noch der innig ersehnte Regen auf Oberbayern – Entwarnung! Unsere Schlauchboottour konnte endlich stattfinden. Hurra! Und so machte ich mich am Freitagmorgen in aller Früh aufgeregt auf den Weg nach Schäftlarn, wo ich mit den Mitgliedern der Isarrettung verabredet war.

Gemeinsam marschierten wir anschließend durch strömenden, aber immerhin warmen Sommerregen am Kloster Schäftlarn vorbei durch den Wald zum Ufer der Isar. Nur gut, dass keiner von uns aus Zucker ist! An der Einstiegsstelle erwartete uns bereits das sympathische Team der Sport-Piraten mit den Schlauchbooten samt Ausrüstung. Während ich insgeheim noch überlegte, wie wir die gewaltigen Boote ins Wasser bekommen, erhielten wir unsere → Schwimmwesten und Helme. Nach einer ausführlichen Sicherheitseinweisung mit Befahrungshinweisen und Verhaltensregeln übten wir die Rettung beim Notfall »Mann über Bord!« – gar nicht so einfach, übrigens. Danach schnappten wir uns die Schlauchboote und schleppten sie zum Wasser. Das ging leichter als gedacht! Teamwork ist eben alles, oder? Als erfahrene Seebärin landete ich sicher im Boot, schob meine Füße in die Fußkappen und griff nach meinem Paddel. Und dann ging es auch schon los!

 

»Sommersonne auf weißem Kies, daneben der smaragdgrüne Fluss, wenn dann noch die Zeit still steht – dann ist das Isarflimmern im Paradies.« (Willy Michl: »Isarflimmern«)

 

Eine Schlauchboottour ist lustig, eine Schlauchboottour ist schön …

Auf dem Wasser hörten wir alle brav auf das Kommando unseres Raftguides Rivan. Rivan ist ein echtes Münchner Original: Wenn er sich gerade nicht auf oder im Wasser tummelt, triffst du ihn als Stunt-Fight-Koordinator, Schwertkampfmeister, Dramaturg oder Musiker an. Eine schillernde Persönlichkeit mit einer ausgeprägten Liebe zur Natur. Der Ausbilder bayrischer Flussführerschein machte seiner Aufgabe als Bootsführer alle Ehre und ließ uns zunächst die Befolgung der wichtigsten Kommandos üben. Lachend paddelten wir links herum und rechts herum, drehten uns munter im Kreis, stoppten und steuerten dann zielsicher die Flussmitte an. Unsere Kameraden im anderen Boot taten es uns unter der erfahrenen Anleitung von Raftguide Malina gleich und legten sich ebenfalls mächtig ins Zeug.

Immer wieder flogen Scherzworte von Boot zu Boot – trotz des Regens amüsierten wir uns wie Bachforellen in der Laichzeit. Plötzlich riss der Himmel auf. Sonnenstrahlen brachen durch die Wolkendecke, kitzelten unsere Nasen und die Isar zeigte sich in ihrer ganzen Pracht. Die unberührte, malerische Uferlandschaft zwischen Schäftlarn und München ist wohl die Schönste im Münchner Umland. Wir beobachteten niedliche Flussregenpfeifer, bestaunten majestätische Gänsesäger und erspähten hier und da sogar eine Forelle oder Barbe, die träge im Wasser schwammen.

Noch immer waren die Fluten der Isar »bacherlwarm« und dementsprechend sauerstoffarm – kein »Wohlfühlwasser« für die Fischwelt. Logisch, dass Tier- und Naturschutz an diesem Tag ein wichtiges Thema waren. Unsere Guides geizten nicht mit ihrem Wissen und so lernten wir alle nicht nur eine Menge über das richtige Verhalten beim Raften, sondern auch über die Flora und Fauna der Isar. Beides ist den Sport-Piraten sehr wichtig. Die Umweltbildung und die Ökologie dieses besonderen Naturraumes spielen daher bei jeder Schlauchboottour eine zentrale Rolle. Vorbildlich, davon können andere Sportveranstalter eine Menge lernen.

 

Impressionen unserer Schlauchboottour auf der Isar:

Wer eine Schlauchboottour machen will, muss erst einmal das Boot ins Wasser bringen ...

Wer eine Schlauchboottour machen will, muss erst einmal das Boot ins Wasser bringen …

 

Sehe ich nicht fast so aus, als wüsste ich, was ich mache?

Sehe ich nicht fast so aus, als wüsste ich, was ich mache?

 

Endlich auf dem Wasser!

Endlich auf dem Wasser!

 

Auch Malinas Mannschaft hatte trotz des Regens gut lachen ...

Auch Malinas Mannschaft hatte trotz des Regens gut lachen …

 

Beim Müllsammeln ...

Beim Müllsammeln …

 

Biertragerl gehören nicht in die Isar - schon gar nicht am Seil!

Biertragerl gehören nicht in die Isar – schon gar nicht am Seil!

 

Auch Rivan gab bei der Müllbergung alles ...

Auch Rivan gab bei der Müllbergung alles …

 

... und wurde dabei gut gesichert.

… und wurde dabei gut gesichert.

 

Merke: Sicherheit geht vor!

Merke: Sicherheit geht vor!

 

Muss Müll in der Isar wirklich sein?

Muss Müll in der Isar wirklich sein?

 

Die aufblasbare Ente hat auch schon einmal bessere Zeiten gesehen

Die aufblasbare Ente hat auch schon einmal bessere Zeiten gesehen …

 

Echt jetzt - Ampeln an der Isar???

Echt jetzt – Ampeln an der Isar???

 

Von Menschen und Müll …

Weniger schön als die uns umgebende Natur waren die Spuren der Menschen, welche diese in ihr hinterlassen haben. Entsetzt entdeckten wir immer wieder im Wasser treibende Getränkekästen, leere und volle Glasflaschen auf den Schotterbänken und am Ufer, kaputte Gummiboote, Schwimmringe und Luftmatratzen einschließlich dazugehöriger Luftpumpe sowie durchlöcherte Aufblasenten und und und … Ich war fassungslos. Sommerspaß an der Isar? Ja. Umweltverschmutzung? Nein, bitte nicht! Bemerkenswert an diesem Rowdytum: Die Isar war über Tage für den Bade- und Bootsverkehr gesperrt. Wo also kam der ganze Müll her? Na, irgendeine Idee? Richtig: Einige meiner lieben Mit-Münchner pfeifen ganz offensichtlich auf Gebote und Verbote und machen, wonach ihnen der (Un-)Sinn steht. Hauptsache Partyspaß – koste es, was es wolle!

Selbstverständlich haben wir den Müll nicht gelassen, wo er war. Stattdessen haben wir eingesammelt, was wir nur einsammeln konnten. Viel zu schnell füllten sich unsere Schlauchboote mit den Überbleibseln fehlgeleiteter Spaßkultur. Danach lagen unsere Boote tief im Wasser und wir waren froh, als wir den Müll an einem Container wieder abladen konnten. Aufgrund dieser Erfahrung habe ich mir vorgenommen, zukünftig häufiger an Ramadamas entlang der Isar teilzunehmen und mich nicht mehr ausschließlich, wie bisher, auf unsere Würm zu konzentrieren. Zwar sammeln die Sport-Piraten und andere Anbieter kommerzieller Schlauchboottouren regelmäßig Müll ein. Aber ich denke, der Müll in der Isar geht uns alle an.

 

Gutes Wetter, schlechtes Wetter …

Das Wetter zeigte sich auf der rund 20 Kilometer langen Flussstrecke so abwechslungsreich wie selten. Gerade, als mir ungeachtet meiner klatschnassen Klamotten so richtig schön warm wurde und ich damit liebäugelte, mich – natürlich nicht ohne Vorwarnung an meine Bootskameraden – rücklings ins Wasser gleiten zu lassen und eine Runde zu schwimmen, setzten Regen und Kälte wieder ein. Mit jedem Paddelschlag wurden wir nasser und nasser. Und obwohl wir uns auch gemächlich hätten von der Strömung treiben lassen können, paddelten wir, als gäbe es kein Ufer mehr. So wurde uns wenigstens wieder warm. Die Laune ließen wir uns vom Wetter nach wie vor nicht verderben. Dazu hatten wir viel zu viel Spaß.

Außerdem sorgte das unwirtliche Wetter dafür, dass wir fast allein auf der Isar waren – ein zusätzliches Schmankerl an diesem schönen Tag. Lediglich einige wenige Gassigeher sahen wir am Ufer entlanglaufen und ernteten verwunderte Blicke von ihren Vierbeinern. Was sich die Hunde bei unserem Anblick wohl gedacht haben? Auf dem Wasser waren außer uns nur zwei Flöße des Isarfloßteams unterwegs. Wie es sich für sportliche Piraten gehört, haben wir diese geentert und eine kleine Brotzeit ergattert. Dafür lieben Dank an »d’ Flässler« rund um Michael Angermaier! Derart gestärkt ging es weiter zur Floßlände in Thalkirchen.

Kurz vor der Floßlände mit der ältesten Flusssurferwelle der Welt bekamen wir sogar noch ein bisserl Wildwassergefühl. Und ich einen Vorgeschmack auf den kommenden Sommer, denn diese erste Schlauchboottour war garantiert nicht meine letzte! Im Gegenteil: Ich habe Blut, äh, Wasser geleckt und kann es kaum erwarten, mich das nächste Mal in ein Schlauchboot zu schwingen. Natürlich wieder mit den Sport-Piraten, denn das Team hat mich durch seinen Charme ebenso überzeugt wie durch seine fachliche Kompetenz. Ebenso ergeht es mir mit den Mitgliedern der Isarrettung. Ich denke ernsthaft darüber nach, im September ein Probetraining zu absolvieren und bei Gefallen meine Fähigkeiten im Rettungsschwimmen aufzufrischen.

 

Bananenschneckerls Resümee:

Wenn auch du nun Lust auf eine Schlauchboottour bekommen hast und die Isar aus einer völlig neuen Perspektive kennenlernen möchtest, dann sieh unbedingt bei den → Sport-Piraten vorbei! Neben der kameradschaftlichen Atmosphäre im Boot warten viele weitere persönliche Herausforderungen, Abenteuer und unvergessliche Naturerlebnisse auf dich. Vielleicht sehen wir uns ja auch beim Training der → Isarrettung im Müller’schen Volksbad? Unter dem Hashtag → #wirsuchendich sucht die Wasserwacht Ortsgruppe München-Mitte laufend neue Mitglieder. Ich bin ab September auf jeden Fall dabei.

Und noch einen Traum hege ich: Gar zu gern würde ich die Ausbildungen zum Raftguide und zum Tubingguide machen. Im Moment arbeite ich noch an meiner Fitness, aber im nächsten Frühjahr dürfte ich fit genug sein.

Wie würde dir eine Schlauchboottour auf der Isar gefallen? Ich freue mich wie immer über deinen Kommentar und wünsche dir einen guten Start in die Woche!

XOXO

Sissi

[Fotos: Daniela Haupt et al. von der Isarrettung]

 

Comments
4 Responses to “Schlauchboottour auf der Isar”
  1. Sabienes sagt:

    Das ist mal was anderes, als auf dem Isarfloß zu saufen! 😉

    Ich habe bereits 2 solcher Raftingtouren hinter mir – einmal im Ötztal bei Regen und einmal in der Türkei (ohne Regen) und selten hat mir etwas so viel Spaß gemacht!

    LG

    Sabienes

  2. Hallo Sissi,

    ich glaube, dass ich ein wenig Angst dabei hätte – obwohl die Schlauchboottour richtig super aussieht. 😉

    Du hattest viel Spaß und großes Lob für Deinen Mut!

    LG Katrin

  3. Leane sagt:

    Wow, Respekt, dass du da mitgefahren bist, ich bin da eher ein kleiner Angsthase.

    Liebe Grüße

    Leane

  4. Heike sagt:

    Hallo Sissi,

    danke für deinen tollen Artikel, jetzt habe ich richtig Lust, zu dir nach München zukommen und wir machen zusammen eine Tour. 😉

    Liebe Grüße

    Heike

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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

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