NABU zum Weltbienentag: Ausgesummt?

NABU zum Weltbienentag: Ausgesummt?

Erstmals setzen die Vereinten Nationen in diesem Jahr mit dem heutigen → Weltbienentag ein internationales Zeichen gegen die schwindenden Insektenbestände. Auch in Deutschland ist die Lage alarmierend: Jede dritte der hierzulande lebenden 560 Wildbienen-Arten ist laut Roter Liste gefährdet oder vom Aussterben bedroht, wie etwa die Deichhummel oder die Geflügelte Kegelbiene. 39 weitere Arten sind in Deutschland bereits sogar ausgestorben.

»Es ist gut, dass die Weltpolitik den dramatischen Schwund an Insekten erkannt hat. Doch in den Köpfen einiger Politiker scheint noch nicht angekommen zu sein: Der Insektenrückgang ist kein kleines Problem, das mit ein paar netten Aktionen hier und da gelöst werden kann. Wir können Insekten und ihre Leistungen als Bestäuber nur retten, wenn die Agrarpolitik grundsätzlich anders wird«, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Das fordern auch die Vereinten Nationen: Gleich mehrere der globalen Entwicklungsziele betonen deutlich die Notwendigkeit einer nachhaltigeren Landwirtschaft. »Doch dahin kommen wir nur, wenn umweltschädliche Subventionen gestrichen werden und sich die Förderung der Biodiversität für Landwirte finanziell lohnt«, erklärt Miller.

 

Holzbiene | Bild: Frank Leo

Holzbiene | Bild: Frank Leo

 

Trauriges Wechselspiel von Ursache und Wirkung:

Dass die Ursachen für den Insektenrückgang in der hoch-intensivierten Landwirtschaft liegen, ist inzwischen vielfach belegt: Enge Fruchtfolgen und intensive Ackerbausysteme bieten Insekten zu wenige Nahrungs- und Nistangebote und der seit Jahrzehnten konstant hohe Einsatz von Pestiziden vergiftet zahlreiche Tiere. Düngemittel verändern zudem vielerorts die Pflanzenzusammensetzung und somit die Nahrungsgrundlage von Insekten. »Unsere Insekten werden schleichend ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Sie verschwinden in dramatischem Tempo – und das rund um den Globus. Wenn es so weiter geht, rast die Weltgemeinschaft auf ein ökologisches Desaster zu«, mahnt der NABU-Bundesgeschäftsführer.

 

Handlungsgebot für die Politik:

Bundesagrarministerin Julia Klöckner sei daher in der Pflicht, ihren blumigen Ankündigungen zum besseren Schutz von Insekten nun endlich auch Taten folgen zu lassen. Bislang sind seitens des Bundeslandwirtschaftsministeriums kaum mehr als Symbolpolitik, punktuelle Initiativen und zudem eine einseitige Fokussierung auf Honigbienen erkennbar. »Frau Klöckner muss raus aus dem Ankündigungsmodus und jetzt den wesentlichen Schalter umlegen: Die EU-Agrarpolitik muss insektenfreundlicher und naturverträglicher werden. Die milliardenschweren Subventionen müssen geknüpft werden an konkrete Leistungen der Landwirte für die Umwelt. Strukturelemente wie Blühstreifen müssen wieder selbstverständlicher Bestandteil der Agrarlandschaft werden. Der Pestizideinsatz muss deutlich sinken und hochgiftige Wirkstoffe müssen endlich vom Markt«, so Miller.

Doch zur derzeit in Brüssel laufenden Debatte über die Zukunft der EU-Agrarpolitik hält sich die Ministerin bislang auffallend zurück. Dabei hat sich die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag zu einem Kurswechsel in der gemeinsamen Agrarpolitik bekannt. Aktuell zeichnet sich in Brüssel jedoch das genaue Gegenteil ab: Die auf dem Tisch liegenden Vorschläge der EU-Kommission für den Haushalt der Jahre 2021 bis 2027 geben keinen Anlass zur Hoffnung auf mehr Nachhaltigkeit. Stattdessen tragen sie klar die Handschrift der Agrarlobby: Die pauschalen Direktzahlungen, die Flächenbesitz statt Umweltleistungen belohnen, will die Kommission weiter stärken. Und zu allem Überfluss hat sie angekündigt, die Gelder für den Umwelt- und Naturschutz zugleich um rund 25 Prozent kürzen zu wollen. »Das wäre de facto das Todesurteil für die Insekten«, kritisiert Miller.

Am 18. Juni berät Julia Klöckner mit ihren Amtskollegen in Brüssel erstmals über die Zukunft der Agrarpolitik. »Dann liegt es an der Ministerin, die Gretchenfrage zu beantworten: Wie hält es die Bundesregierung wirklich mit dem Insektenschutz?«, so der NABU-Bundesgeschäftsführer.

 

Insektensommer:

Um mehr über den Zustand von Wildbienen und anderen Insekten in Deutschland zu erfahren, ruft der NABU in diesem Jahr erstmals zu einer bundesweiten Zählung auf. Bei der Aktion → »Insektensommer« sind vom 1. bis zum 10. Juni sowie vom 3. bis zum 12. August alle Bürger aufgerufen, Insekten zu zählen und die Daten an den NABU zu melden. Der NABU erhofft sich damit ein deutschlandweit genaueres Bild von der Insektenwelt in unseren Städten und ländlichen Regionen. Denn bislang liegen nur wenige bundesweite und artenübergreifende Informationen hierzu in Deutschland vor.

 

Ackerhummel | Bild: Helge May

Ackerhummel | Bild: Helge May

 

Das sagt der Schokoschnegel:

Für mich ist absolut nicht nachvollziehbar, warum nicht schon längst ein Umdenken in Sachen Tier-, Natur- und Umweltschutz stattgefunden hat. Die scheinbar allmächtige Agrarlobby benimmt sich so, als hätten wir unbegrenzt Reservewelten auf Lager. Haben wir aber nicht. Es gibt nur diesen einen Planeten Erde und dieser ist – noch – wunderschön. Und das, obwohl wir Menschen bereits eine unglaubliche Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten ausgerottet haben. Sissi und ich sprechen oft darüber, welche ungeahnten Möglichkeiten damit vielleicht auch unwiederbringlich verloren sind. Denn wer weiß, ob nicht der Saft dieser einen Pflanze die Chance auf ein Heilmittel gegen Krebs, Alzheimer oder Multiple Sklerose gewesen wäre? Wir werden es nie erfahren. Ist das nicht unglaublich traurig? Wir zerstören unsere Umwelt – und uns damit gleich mit.

So schön und sinnvoll ein Tag wie der Weltbienentag als Signal ist, so nachdenklich stimmt er mich auch: Das weltweite Insektensterben betrifft nun einmal nicht nur die Bienen. Auch andere Insekten sind betroffen, ebenso Spinnen. Daher ist in meinen Augen jeder Einzelne von uns aufgefordert, so viel wie möglich für den Erhalt der Insektenwelt zu tun. Sei es durch naturnahes Gärtnern oder einen freiwilligen Verzicht auf den Verkauf von Pestiziden im Gartencenter. Sonst hat es sich bald für uns alle ausgesummt.

Was tust du, um unseren Insekten zu helfen? Ich freue mich über deinen Kommentar!

XOXO

Markus

[Quelle: → Naturschutzbund Deutschland e. V. // Artikelbild (Steinhummel): Helge May]

 

Comments
One Response to “NABU zum Weltbienentag: Ausgesummt?”
  1. Martina sagt:

    Hallo Markus,

    ich finde es auch sehr traurig, was wir Menschen unserer Umwelt antun. Als hätten wir eine zweite heile Welt im Kofferraum …!

    Liebe Grüße

    Martina

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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

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