Forsa-Umfrage zum Wolf: Wölfe in Deutschland willkommen

Wölfe in Deutschland willkommen

Die große Mehrheit der Bundesbürger (79 Prozent) findet es erfreulich, dass der Wolf wieder Teil der Natur in Deutschland ist. Wölfe gehören genauso wie Füchse, Rehe oder Biber in unsere Landschaft. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage, die das Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag des NABU zum Tag des Wolfes am 30. April durchgeführt hat. Immerhin 55 Prozent verbinden mit dem Wolf positive Gefühle, bei nur zwölf Prozent kommen negative Empfindungen zum Tragen. 78 Prozent sagen, dass Wölfe in Deutschland leben können sollen, auch falls es teilweise zu Problemen käme. Bei der hohen Zustimmung zum Wolf gibt es keinen Unterschied zwischen Bewohnern im städtischen Umfeld und im ländlichen Raum. Der NABU hatte 2015 eine forsa-Umfrage mit der gleichen Fragestellung zum Wolf durchgeführt, die Ergebnisse sind nahezu identisch.

»Die Menschen in Deutschland stehen der Anwesenheit des Wolfes nach wie vor positiv gegenüber. Auch wenn es von Teilen der Politik, der Bauern- und der Jagdlobby immer wieder Stimmungsmache gegen den Wolf gibt, bleibt das Klima für den Wolf 18 Jahre nach seiner Rückkehr gut«, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Der europaweit streng geschützte Wolf sei nach seiner Ausrottung in Deutschland vor 150 Jahren für die meisten Menschen bis vor ein paar Jahren nur ein Fabeltier gewesen. »Wir müssen wieder lernen, mit dem Wolf zu leben. Dazu gehören neben Information und Aufklärung vor allem auch Unterstützung für Nutztierhalter beim Herdenschutz.«

 

Zwei von vier Welpen des Daubaner Rudels im Dezember 2015 | Bild: Michael Hamann

Zwei von vier Welpen des Daubaner Rudels im Dezember 2015 | Bild: Michael Hamann

 

Wolfswelpen in der Heide | Bild: Jürgen Boris

Wolfswelpen in der Heide | Bild: Jürgen Boris

 

Herdenschutz statt Wolfsquote:

Eine klare Absage erteilt der NABU Forderungen der Union und SPD, die Anzahl der Wölfe zu begrenzen. Ebenso lehnt der NABU eine Änderung des Schutzstatus beim Wolf – wie im Koalitionsvertrag gefordert – ab. Dies bekräftigte auch die EU-Kommission kürzlich erneut. Der strenge Schutzstatus solle nicht gelockert werden. »Die Bedingungen für den ›guten Erhaltungszustand‹ sind längst nicht erfüllt. Für Ausnahmefälle wie beispielsweise beim Umgang mit Wölfen, die unerwünschtes Verhalten zeigen, reichen die bestehenden gesetzlichen Regelungen aus, um – wenn erforderlich – auch den gezielten Abschuss eines Wolfs anzuordnen«, sagt NABU-Wolfsexperte Markus Bathen.

Daher verurteilt der NABU auch die Forderungen des Deutschen Jagdverbandes nach Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdrecht als fachlich nicht zielführend und unnötige Befeuerung einer immer wieder aufgewärmten Scheindebatte.

Das A und O ist ein flächendeckender Herdenschutz in Deutschlands Wolfsgebieten. Erste Projekte zum Herdenschutz habe der NABU bereits mit Partnern in Brandenburg, Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen initiiert. »Doch auch Bund und Länder müssen sich endlich gemeinsam für den Herdenschutz engagieren«, so Miller weiter. Der NABU fordert die Einrichtung eines nationalen Herdenschutzzentrums ergänzend zur bereits bestehenden bundesweiten Dokumentations- und Beratungsstelle zum Wolf (DBBW) sowie deren dringende Verstetigung. Die Förderung der DBBW wird nach momentanem Stand im Herbst 2018 beendet, was die Errungenschaften der letzten drei Jahre zunichtemachen würde.

 

Herdenschutzhund liegend vor Ziegen | Bild: Sebastian Hennigs

Herdenschutzhund liegend vor Ziegen | Bild: Sebastian Hennigs

 

Auch Schafe sind im Herdenschutz sicher | Bild: Sebastian Hennigs

Auch Schafe sind im Herdenschutz sicher | Bild: Sebastian Hennigs

 

Der Herdenschutzhund hat ein wachsames Auge auf »seine« Schafe | Bild: Klemens Karkow

Der Herdenschutzhund hat ein wachsames Auge auf »seine« Schafe | Bild: Klemens Karkow

 

Zustimmung in der Bevölkerung bleibt hoch:

Die Rückkehr des Wolfes ist eine Erfolgsgeschichte und wird, wie die forsa-Umfrage zeigt, von der Mehrheit der Bundesbürger positiv wahrgenommen. Um diese breite Akzeptanz des Wildtieres in der Bevölkerung nachhaltig zu stärken, bedarf es aus Sicht des NABUs vor allem eines lösungsorientierten Umgangs mit möglichen Mensch-Tier-Konflikten. Dafür muss eine praxisnahe, unbürokratische Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen ebenso gefördert werden wie Investitionen in Wissenschaft und Forschung. »Wir nehmen Ängste und Sorgen sehr ernst und appellieren an alle Interessengruppen, sich am seriösen, wissenschaftsbasierten Dialog über den Umgang mit dem Wildtier Wolf zu beteiligen«, so NABU-Bundesgeschäftsführer Miller.

Die Befragung wurde im Auftrag des NABU von der forsa Politik- und Sozialforschung GmbH durchgeführt. Hierzu wurden im Zeitraum vom 23. Februar bis zum 4. März 2018 mittels des bevölkerungsrepräsentativen Befragungspanels forsa.omninet 2 009 Bundesbürger ab 18 Jahren befragt. Die Ergebnisse weisen eine Fehlertoleranz von ± 2,5 Prozent auf.

 

Der wölfische Speiseplan zeigt deutlich, dass der Wolf keine Gefahr für uns darstellt | Infografik: NABU

Der wölfische Speiseplan zeigt deutlich, dass der Wolf keine Gefahr für uns darstellt | Infografik: NABU

 

Das sagt der Schokoschnegel:

Es ist schon eine merkwürdige Geschichte zwischen uns Menschen und den Wölfen … Auf der einen Seite gibt es viele Menschen, die den Wolf aufgrund seines Sozialverhaltens und seiner Stärke bewundern. Einige eher esoterisch angehauchte Zeitgenossen betrachten ihn sogar als persönliches Krafttier. Auf der anderen Seite wiederum fürchten sich manche auch vor dem »großen bösen Wolf«, nicht selten angefacht durch verzerrte Medienberichte über »gefährliche« Wolfs-Mensch-Begegnungen oder »brutal gerissene« Nutztiere.

Sicher, ich weiß auch nicht, wie ich reagieren würde, wenn beim Angeln plötzlich ein Rudel Wölfe neben mir stünde … Vermutlich wäre ich im ersten Moment zu perplex, um überhaupt zu reagieren. Dann aber würde ich – hoffentlich – bewegungslos verharren und die Begegnung genießen. Und wenn mir die Wölfe meine Angelbeute streitig machen wollen, soll es eben so sein. Ich werde ganz gewiss nicht mit den Tieren um eine Forelle raufen. Mit anderen Worten: Wir müssen wieder lernen, uns mit den Wildtieren zu arrangieren. Den Wölfen mit Respekt begegnen und nach Möglichkeiten einer friedlichen Koexistenz in Wald und Flur suchen. Herdenschutzprogramme scheinen mir hier der sinnvollste Ansatz zu sein. Denn die an und für sich scheuen Wölfe meiden Nutztierherden, die von Herdenschutzhunden begleitet werden.

Wünschenswert wäre ebenfalls ein Umdenken der Jäger, die den Wolf als Bedrohung betrachten. Dabei ist es vollkommen natürlich, wenn ein einheimisches Raubtier seinen Hunger an Reh, Wildschwein und Co. stillt. Die Wölfe gehören in unsere Wälder, das haben nur leider einige Menschen vergessen. Umso mehr freut es mich, dass → Deutschland wieder ein Wolfsland ist und dies von der Mehrheit der Bevölkerung auch begrüßt wird. Wenn dich die Umfrage »Wölfe in Deutschland 2018« im Detail interessiert, kannst du die vollständigen Ergebnisse der Studie übrigens kostenlos beim NABU → herunterladen.

Wie stehst du zu dem Thema Wölfe in Deutschland? Ich freue mich über deinen Kommentar!

XOXO

Markus

[Quelle: → Naturschutzbund Deutschland e. V. // Artikelbild: Michael Hamann]

 

Comments
3 Responses to “Wölfe in Deutschland willkommen”
  1. Martina sagt:

    Hallo Markus,

    ich freue mich, daß die Wölfe in Deutschland zurück sind. Bei meiner Wanderung durch die Lüneburger Heide war mir aber etwas mulmig wegen ihrer Anwesenheit. Zum Glück habe ich nur eine große Heidschnuckenherde getroffen.

    Liebe Grüße

    Martina

  2. Perdita sagt:

    Ich finde es grandios, dass die Wölfe zurück sind! 🙂

    LG Perdita

  3. Lieber Markus,

    ich wüsste auch nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich Wölfen begegnen würde. Ich finde eine Rotte Wildschweine aber genauso beängstigend. Ich denke, wir müssen einfach wieder verstehen, die Welt gehört nicht nur uns Menschen und ein gesundes Miteinander ist für uns alle das Beste.

    LG Heike

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