Meine Frau ist eine echte Zehn

Meine Frau ist eine echte Zehn

Wir Männer sind merkwürdige Wesen. Ein beliebtes Spiel unter Männern ist zum Beispiel, Frauen in einem Bewertungssystem von Eins bis Zehn zu »benoten«. Frauen finden das meist weniger witzig, da als Grundlage ein äußerst subjektives, meist gesellschaftlich geprägtes Schönheitsideal dient, das jeglicher Logik entbehrt. Und das, obwohl man uns Männern ja gern ein analytisches-sachliches Denken nachsagt … Wie dem auch sei: Im Januar hatte das Schneckerl Geburtstag. Was schenkt man(n) einer Frau zu diesem Anlass? Schmuck? Parfüm? Küchengeräte? Lädt man sie ins Lieblingsrestaurant ein? Alles klassische Männerideen und alles irgendwie langweilig! Denn wir sind anders als andere Schnecken und Schnegel und unternehmen lieber gemeinsam etwas, als dem klassischen Konsumrausch zu frönen.

Daher lud ich meine Frau zu einem ganz besonderen Erlebnis ein: Es ging zu einem Gastschützenabend bei der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft → »Der Bund« in München. Sissi hatte schon lange damit geliebäugelt, sich im Schießen zu erproben, diese Idee aus Zeitgründen aber immer wieder verworfen. Doch die Schießstätte liegt nur einen kurzen Spaziergang vom Schneckenhaus entfernt und bot sich für diesen Geburtstagsausflug der etwas anderen Art geradezu an. Manchmal braucht es einfach einen guten Grund, um Träume in die Realität umzusetzen. Also rief ich dort an und machte einen Termin aus. Volltreffer! Sissi freute sich wie ein Kind an Heiligabend über meine Idee.

Auf dem Hinweg zogen wir uns gegenseitig auf: Sissi, die noch nie eine Schusswaffe in der Hand gehalten hatte, wollte es mir so richtig zeigen. Immerhin war sie in ihrer alten Heimat eine recht erfolgreiche Bogenschützin gewesen. Nun war sie überzeugt, dass sich diese Erfahrung leicht auf Schusswaffen übertragen ließe. Selbstverständlich hielt ich dagegen – wenn ich es selbst auch nicht so ganz geglaubt habe, liegt mein früheres Training doch schon lange in der Vergangenheit. Um es vorwegzunehmen: Wir wurden beide überrascht.

 

Willkommen in der Prinz-Alfons-Halle!

Nach allerlei Geplänkel und Neckereien erreichten wir schließlich gut gelaunt die Schießstätte und betraten gespannt die neue Prinz-Alfons-Halle, in der sich die Schießstände für Luftpistole, Luftgewehr und Armbrust befinden. Die nach rund einem Jahr Bauzeit im April 2017 eröffnete Halle mit ihren 20 Schießständen für Luftdruckwaffen ist hell und einladend gestaltet. Unser Ansprechpartner an diesem Tag war Rudi – ein Sportschütze der alten Schule und ehemaliger Europameister an der Luftpistole. Wir stellten uns vor und wurden von ihm freundlich begrüßt. Dann erklärte uns Rudi kurz die Anlage und die grundsätzlichen Abläufe, bevor er uns Jugendleiter Markus Gindl vorstellte, der uns an diesem Abend betreuen sollte.

Zuerst erfuhren wir, dass Anfänger nicht mit einer echten Schusswaffe schießen, sondern zuvor mit einer sogenannten Lichtpunktpistole das Zielen – und Treffen – lernen müssen. Ebenso erklärte uns Markus in leicht verständlichen Worten die strengen Sicherheitsregeln im Umgang mit Waffen im Verein. So werden beispielsweise geladene Waffen nie abgelegt, während ungeladene Waffen mit offenem Verschluss und einer »Fahne« im Lauf abgelegt werden müssen. Und natürlich darf ein Lauf nie auf einen Menschen zeigen, ganz gleich, ob die Waffe nun geladen ist oder nicht. Wir empfanden die Einweisung als sehr informativ. Und uns gefällt, dass bei den Sportschützen im »Bund« so viel Wert auf die Sicherheit gelegt wird. Weil auch uns Sicherheit wichtig ist und weil in Medien und Politik Sportschützen oft vollkommen falsch dargestellt werden. Als martialische Waffennarren nämlich, die nur den nächsten Treffer im Kopf haben. Was für ein Unsinn!

 

Wir schießen mit Licht:

Nach der Sicherheitseinweisung holte Markus die Lichtpunktpistole aus dem Waffenschrank, eine schicke PROflash von → IROSA in Metallic-Orange. Die PROflash Lichtpunktpistole gleicht in Aussehen, Verarbeitung und Funktion einer hochwertigen Match-Luftpistole. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass sie keine Schusswaffe ist, aber dennoch ein echtes Schießsporterlebnis garantiert. Sissi war auch so bereits ganz schön beeindruckt von der Größe und dem Gewicht der Waffe. Markus zeigte uns die korrekte Körperhaltung und wie das Zielen über Kimme und Korn funktioniert. Dann drückte er Sissi auch schon die Lichtpunktpistole in die Hand und sie zog zum ersten Mal in ihrem Leben einen Abzug durch. Auch, wenn die ersten Schüsse auf der Zehn-Meter-Distanz weit daneben gingen, bekam sie den Dreh doch schnell heraus und so landeten immer mehr Treffer auf der nur 17 x 17 Zentimeter »großen« Zielscheibe.

Anschließend war ich an der Reihe und schoss mich langsam ein. Wir wechselten uns immer wieder ab und ich muss gestehen: Trotz meiner früheren Ausbildung war ich weit davon entfernt, gut zu sein und lag recht nah an Sissis Ergebnissen. Sissi schoss weitaus besser als wir gedacht hatten, während ich weit hinter dem Ergebnis blieb, welches ich erhofft hatte. Respekt, liebe Sissi, für diesen guten Start!

 

Ein Mal ist kein Mal …

Der erste Abend ging viel zu schnell vorüber. Reich an neuen Erfahrungen und voller positiver Eindrücke vom Verein und seinen freundlichen, kompetenten Mitgliedern ging es wieder zurück nach Hause. Während des Geburtstagsessens waren wir uns einig: Das war nicht unser letzter Besuch beim »Bund«. Gesagt, getan!

An den nächsten beiden Terminen wurde Sissi so treffsicher, dass jeder Schuss zumindest auf der Scheibe landete. Übung zahlt sich eben aus! Beim vierten Termin holte Rudi überraschend einen anderen Koffer aus dem Waffenschrank: eine echte Luftpistole. Er fand, dass unsere Ergebnisse gut genug waren, um mit uns den Sprung von Licht zu 4,5-Millimeter-Diabolos zu wagen. Wir bestaunten die vor uns liegende → P11 von Feinwerkbau, während wir auf die Waffe eingewiesen wurden. 7,5 Joule Mündungsenergie … Das klingt wenig, besitzt aber ordentlich Zunder, wenn ich mich richtig an meinen Physikunterricht erinnere. Auch wenn es »nur« eine Luftpistole ist, sollten die Geschosse definitiv keinen Menschen treffen.

200 Bar Druck in der Kartusche, Ladehebel hoch, Diabolo einlegen, Ladehebel schließen – das war es auch schon. Wohlwissend, dass jetzt »vorne etwas herauskommt, wenn man hinten den Finger krumm macht« war natürlich Respekt vor der Sportpistole da. Entsprechend vorsichtig erfolgten unsere ersten Schüsse. Das entweichende Gas war nicht wirklich laut, aber von »leise« dennoch weit entfernt. Daran gewöhnten wir uns aber schnell und landeten immer mehr Treffer innerhalb der Ringe. Erzielten wir bei den ersten Versuchen im Schnitt nur 100 bis 120 Punkte, waren die 200 Punkte dann mit ein wenig Training auch erreicht, sodass wir nun vorsichtig und entspannt die 300 anpeilen.

 

Ja, wir wollen!

Wir geben es zu: Es hat uns erwischt, das Sportschützenfieber. Und so füllten wir unsere Aufnahmeanträge für den »Bund« aus, gaben unsere – selbstverständlich eintragsfreien – polizeilichen Führungszeugnisse ab und erhielten nach Prüfung durch den Vereinsvorstand unsere Vereinsnadeln mit den Mitgliedsunterlagen. Auch die Mitgliedsausweise des → Bayerischen Sportschützenbundes haben wir inzwischen erhalten. Noch schießen wir mit Vereinswaffen. Doch unsere Äuglein wandern bereits zu eigenen Match-Luftpistolen, wobei wir die neue → LP500 von Walther näher ins Auge gefasst haben. Trotz der Auswahl hochwertiger Luftpistolen auf dem Markt bin ich ein klarer Fan von Sportwaffen aus dem Hause Carl Walther, da ich früher beruflich viel mit den Schusswaffen des Ulmer Traditionsunternehmens zu tun hatte und sie sich durch eine besonders hohe Qualität und Präzision auszeichnen.

 

Sportschützen sind Menschen wie du und ich!

Sportschützen stehen gesellschaftlich oft in der Kritik. Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Weder sind Sportschützen potentielle Mörder noch sind sie »geil auf’s Ballern«, wie uns unlängst eine Freundin vorwarf. Trotzdem werden die Waffengesetze mit fachlich absurden Begründungen laufend weiter verschärft. Kein anderer Sport unterliegt so hohen Reglementierungen. In keiner anderen Sportart setzen Sportvereine höhere Sicherheitsstandards an. Sportschützen gehen extrem sicherheitsbewusst mit Schusswaffen um. Weil sie gut ausgebildet sind und seitens der Behörden hohe Anforderungen an den Schusswaffenbesitz erfüllt werden müssen – und auch erfüllt werden.

Wer in einen Verein eintreten will, muss sich zuerst als Gastschütze vorstellen. Überdies gehören zu jedem Aufnahmeantrag ein Führungszeugnis ohne Vorstrafen und eine gewisse Frist bis zur endgültigen Aufnahme. Alkohol gibt es in der Schießanlage ebenfalls nicht. Null Promille sind angesagt, wenn ich schießen möchte. Und das ist auch gut und richtig so! Sportschützen müssen für »nichtfreie Waffen« einen Waffensachkunde-Lehrgang mit Prüfung ablegen und bekommen hierfür frühestens nach einem Jahr Training mit Klein- und Großkaliberwaffen ein berechtigtes Interesse vom Verein bescheinigt. Möchte man dann die Waffenbesitzkarte (WBK) beantragen, folgt eine intensive Prüfung durch die Kreisverwaltungsbehörde inklusive Auskunft über die Zuverlässigkeit bei der Polizei. Außerdem muss der Antragsteller nachweisen, dass er einen vorschriftsgemäßen Waffenschrank besitzt, bevor er die Waffenbesitzkarte erhält. Erst mit dieser darf er dann eine private Feuerwaffe erwerben. Das alles braucht seine Zeit.

Wenn ich dagegen sehe, dass ich ohne Überprüfung oder gesetzliche Einschränkung Armbrüste, Jagdbögen und Softairwaffen erwerben kann, die keine geringere tödliche Gefahr darstellen, und Straftaten in der Regel nicht mit legalen Waffen begangen werden, ist die Angst vor Sportschützen wirklich unbegründet.

 

Das sagt der Schokoschnegel:

Abschließend möchte ich dir noch von einem interessanten Erlebnis beim letzten Training berichten. Zunächst war kein Stand frei, weswegen ich die Wartezeit für ein Gespräch mit einem anderen Mitglied genutzt habe. Dieses Mitglied hat in jüngerer Vergangenheit einen Schlaganfall erlitten und lernt durch das Schießen mit der Luftpistole nun wieder die feine Hand-Augen-Koordination. Das Schießen verbessert also nicht nur die Konzentrationsfähigkeit und hilft, in unserer schnellen und lauten Welt wieder etwas zur Ruhe zu kommen – es hat sogar einen nachgewiesenen therapeutischen Nutzen nach neurologischen Schädigungen.

Ich bin froh und dankbar, dass ich durch Sissis Interesse am Sportschießen selbst zu diesem Hobby zurückgefunden habe. Es entspannt uns beide und wir haben damit etwas gefunden, was wir gemeinsam unternehmen können. Und (nicht nur) deshalb finde ich, dass meine Frau eine echte Zehn ist.

Was hältst du von Sportschützen und hattest du bereits Kontakt zu dieser entschleunigenden Sportart? Ich freue mich über deinen Kommentar und wünsche dir einen guten Start(-schuss) in die neue Woche!

XOXO

Markus

 

Comments
4 Responses to “Meine Frau ist eine echte Zehn”
  1. Lutz sagt:

    Danke, Markus, für diesen interessanten Einblick in euer neues Hobby! Ich bin schon gespannt auf weitere Berichte.

    Grüße

    Lutz

  2. Martina sagt:

    Hallo Markus,

    nichts für mich, aber ein sehr informativer Bericht.

    Liebe Grüße

    Martina

  3. Leane sagt:

    Ui, das wäre nichts für mich, aber dein Beitrag ist wundervoll. Wünsche dir eine wunderschöne Restwoche!

    Liebe Grüße

    Leane

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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

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