Frühstart in den Frühling - die Hummelköniginnen fliegen los

Frühstart in den Frühling

Wer um sechs Uhr in der Früh das Haus verlässt, hat es längst bemerkt: Die Sonne ist bereits aufgegangen. Die dunkle Jahreszeit neigt sich dem Ende zu. Am 20. März ist es laut Kalender offiziell – der Frühling beginnt! Die jungen Hummelköniginnen spüren auch ohne Kalender, dass der Frühling kommt. Sobald das Thermometer über null Grad klettert und die Sonne scheint, krabbeln sie voller Elan aus ihren Überwinterungsquartieren. Sie sind die ersten Wildbienen des Jahres, die der Sonne entgegenfliegen.

»Dabei geben die Königinnen alles an Kraft, was sie nur aufbringen können«, erklärt Manuel Pützstück, Wildbienenexperte der Deutschen Wildtier Stiftung. »Bis Mitte April müssen sie ihre Nester gebaut haben, um darin viele hundert Eier abzulegen.« Mithilfe einer kleinen, mit Nektar gefüllten Honigblase im Körperinneren schaffen es die Insekten, die ersten Stunden in den noch kühlen Tagen zu überleben, ohne zu verhungern. »Doch dann brauchen sie schnellstens gehaltvolle Kraftnahrung«, sagt Manuel Pützstück. Diese besteht – wie bei einem Profisportler – aus möglichst viel Proteinen und Kohlenhydraten. Gartenbesitzer können für die fliegenden Königinnen den Tisch decken: wo Krokusse, Schneeglöckchen, Märzenbecher und Weidenkätzchen wachsen, können Hummeln eiweißreichen Blütenpollen und zuckerhaltigen Blütennektar naschen.

Hummeln sind mit die ersten fliegenden Bestäuber des Jahres und damit wichtig für alle frühblühenden Obstsorten wie Kirschen und Äpfel. »Pro Tag besuchen Hummeln bis zu tausend Blüten und mehr. Dafür ist die Wildbienenart bis zu 18 Stunden am Tag in der Luft«, erzählt Manuel Pützstück. Das ist eine Höchstleistung! Wie kommt das sympathische Schwergewicht zu solchen Ausnahmerekorden? Möglich wird diese Leistung nur durch einer Art »Spezialanfertigung« der Flügel. »Im Gegensatz zu den Tragflächen eines Flugzeuges sind Hummelflügel in sich voll beweglich«, erklärt der Experte das Hummelgeheimnis. »Durch eine Krümmung der Flügel und ein ganz spezielles Schlagmuster wird der benötigte Auftrieb erzeugt. Zuvor zittern sich die Hummelköniginnen mit ihren Muskeln warm und erhöhen so ihre Körpertemperatur auf 30 Grad – für einen perfekten Start in den blauen Frühlingshimmel.«

 

Bananenschneckerls Resümee:

Die ersten Hummelköniginnen haben sich bei uns in München bereits im Februar blicken lassen. Dann kam der Schnee … Zuerst habe ich mir große Sorgen um die Hummelmädchen gemacht. Doch dann habe ich – nicht zum ersten Mal übrigens – gesehen, dass die Hummeln trotzdem ausfliegen und ihre Rüssel in die Krokuskelche stecken. Ein wunderbarer Anblick! Während Bienen Mindesttemperaturen von acht Grad Celsius benötigen, bevor sie ausschwärmen, machen sich die brummenden Bestäuber selbst bei Hagel, Eis und Schnee auf den Weg. Ist das nicht irre?

Normalerweise sind Temperaturen um null Grad tödlich für Insekten. Denn wie bei allen wechselwarmen Tieren fällt auch ihre Körpertemperatur auf null Grad und alle Lebensprozesse erlahmen. Nicht so die Hummelköniginnen! Dank ihrer dichten Behaarung schützen sie sich vor dem Wärmeverlust. Ganz schön pfiffig von der Natur, oder?

Außerdem sind »Pummelhummeln« größer als andere Insekten. Das bedingt, dass sie – relativ zum Volumen ihres Körpers gesehen – eine kleine Oberfläche haben, über welche Wärme abgegeben wird. Darüber hinaus befindet sich im »Blut« (Hämolymphe) der Hummeln Glyzerin, welches das Gefrieren der Hämolymphe bis zu Temperaturen von minus 19 Grad Celsius verhindert (Quelle: von Hagen E., Aichhorn A., 2003).

Und zuletzt können Hummeln sich selbst »aufheizen«, indem sie die Zuckerenergie in ihren Muskelzellen nicht in Bewegung, sondern in Wärme umsetzen. Vielleicht hast du im Frühling schon Hummeln beobachtet, deren Hinterleib rhythmisch pumpt – das ist der Moment, in dem die kleinen Brummer sich aufheizen, bis die so erzeugte Wärme zum Fliegen ausreicht.

Hast du heuer ebenfalls schon Hummelköniginnen fliegen gesehen? Ich freue mich wie immer über deinen Kommentar und wünsche dir einen guten Start in den Frühling!

XOXO

Sissi

[Quelle: → Deutsche Wildtier Stiftung und eigene Recherche // Artikelbild: Christian Müller/Piclease]

Comments
4 Responses to “Frühstart in den Frühling”
  1. Liebe Sissi!

    Ich habe dieses Jahr noch kein Hummelmädchen fliegen sehen. Überhaupt ist die Natur bei uns in Witten recht spät dran. Ein paar Kilometer weiter in Bochum sieht das schon ganz anders aus. Ich werde die Augen offen halten und berichten. Sehr schöner Bericht.

    Wünsche Dir einen guten Start ins Wochenende,

    Natascha

  2. Heike sagt:

    Noch habe ich keine Hummel entdeckt, aber wenn die Sonne lacht, habe ich schon die ersten Bienen entdeckt.

    Grüßle

    Heike

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