Berlinverführung mal anders

Berlinverführung mal anders

Weit und breit kein Frühling in Sicht! Hat das große Frieren denn gar kein Ende? Angesichts der dauerhaft niedrigen Temperaturen fällt es schwer zu glauben, dass in weniger als vier Wochen schon Ostern ist. Der arme Osterhase wird vermutlich durch tiefe Schneewehen hoppeln müssen, um unsere Nester mit Naschwerk zu füllen. Vielleicht holt er sich ja aber auch Rat beim Weihnachtsmann? Der kennt sich nämlich aus mit Schnee und Eis. Ein Berlinexperte ist er obendrein. Und ich sage es dir besser gleich: Der Mann mit dem Rauschebart hat mich verführt. Nicht so, wie du jetzt vermutlich denkst! Der Weihnachtsmann heißt in Wirklichkeit nämlich Klaus Weihnacht, verdingt sich außerhalb der Weihnachtszeit unter dem Motto »Berlinverführung« als Stadtführer und kennt Berlin ebenso gut wie seinen Bart.

Kennengelernt habe ich Klaus während Annas Bloggertreffen → »Zwischen Spree und Späti«. Wir waren nach unserem Besuch der Imaginären Manufaktur (DIM) und dem Ausflug in die Mall of Berlin ein bisserl zu früh dran für unsere Verabredung mit dem Weihnachtsmann und so machten wir erst einmal den obligatorischen Touristenschnappschuss vor dem Brandenburger Tor, bevor wir uns kurz in der → Akademie der Künste am Pariser Platz aufwärmten. Im Restaurant mit dem angeschlossenen Café Weinwirtschaft kannst du übrigens gut und günstig Brotzeit machen! Dann war es aber auch schon soweit: Klaus erschien und machte seinem Nachnamen alle Ehre. Sein eleganter Aufzug samt Kosakenmütze wurde nur noch von seinem dichten weißen Bart und einer charmanten sonoren »Berliner Schnauze« übertroffen, die im Tempo eines rasenden Maschinengewehrfeuers auf uns einprasselte. Wir amüsierten uns prächtig.

 

Akademie der Künste

Akademie der Künste

 

Auf dem Weg zur U-Bahn konnte ich einen Schnappschuss von diesem schicken Oldtimer machen

Auf dem Weg zur U-Bahn konnte ich einen Schnappschuss von diesem schicken Oldtimer machen

 

Erste Station – Oranienburger Straße:

Das Tolle an Klaus’ »Berlinverführung«: Keine seiner Touren ist wie die andere. Fashionistas führt Klaus in die Modetempel Berlins, Feinschmecker in die besten Delikatessenläden und Restaurants der Stadt und Geschichtsliebhaber an die wichtigsten historischen Stätten. Das macht seine Stadtführungen so unverwechselbar. Zugute kommen seinen Gästen dabei nicht nur sein fundiertes Wissen als Politologe, sondern auch sein großes persönliches Interesse an Kunst, Kultur und kulinarischen Genüssen. Merke: Klaus ist ein Mann mit Stil und Geschmack, Männer wie er werden heutzutage kaum noch gemacht. Allein deshalb lohnt es sich schon, Klaus zu buchen, wenn du das nächste Mal die Hauptstadt besuchst.

Zu Klaus’ nicht geringer Überraschung wollten wir Frauen keine Luxusboutiquen erobern, sondern uns unbekannte Ecken und Orte in Berlin kennenlernen. Nach kurzem Überlegen nickte Klaus und führte uns zur U-Bahn. Dabei ging ich beinah verloren, weil ich unbedingt einen Oldtimer fotografieren wollte. Ich sah gerade noch Katrins blonden Schopf in der Unterwelt verschwinden und raste los, um die Gruppe einzuholen. Mit der S2 fuhren wir dann zwei Stationen vom Pariser Platz zur → Oranienburger Straße. Sicher eine der lebendigsten Straßen Berlins, gleich zwischen der Neuen Synagoge und den Heckmann-Höfen.

Schwer beeindruckt hat mich das ehemalige → Postfuhramt an der Kreuzung Tucholskystraße. In meinen Augen eines der prunkvollsten historistischen Gebäude Berlins und der vielleicht aufwendigste Behördenbau seiner Zeit – mit Postkutschenremisen und Stallungen für 250 Pferde, Verwaltungsräumen, Wohnungen für Postbedienstete, Postamt, Telegraphen-Ingenieurbüro sowie Maschinen- und Kesselhaus der Berliner Rohrpost. Im Moment wird der Prachtbau renoviert und bekommt neues Leben eingehaucht.

 

Ist diese Laterne nicht wunderschön?

Ist diese Laterne nicht wunderschön?

 

Blick auf einen Teil der monumentalen Rundbogennische

Blick auf einen Teil der monumentalen Rundbogennische

 

Und noch eine schöne Laterne, die sich auch prima in meinem Garten machen würde

Und noch eine schöne Laterne, die sich auch prima in meinem Garten machen würde

 

Wenige Schritte entfernt liegt die Neue Synagoge

Wenige Schritte entfernt liegt die → Neue Synagoge

 

Zweite Station – Heckmann-Höfe:

Weiter ging es in die idyllischen → Heckmann-Höfe, deren Geschichte bis ins Jahr 1799 zurückreicht. Das kreative und lebendige Flair einer Hofgemeinschaft mit individuellen, inhabergeführten Geschäften, Gastronomen und einem Theater begeistert mich. Die Höfe gelten als das Kreativquartier schlechthin und als absoluter Geheimtipp der Hauptstadt. Vom Fleck weg verliebt habe ich mich in die → → Bonbonmacherei, wo wir sogar naschen durften. Die Bonbonmacherei ist ein kleines Spezialitätengeschäft mit angeschlossener Schauküche. Hier bekommst du Original Berliner Bonbons nach überlieferten Rezepten, traditionell über dem Feuer gekocht. Oder mit anderen Worten: Kindheitserinnerungen, die köstlich auf der Zunge zergehen. Logisch, dass ich mir gleich ein prall gefülltes Tütchen »Goldmix« gegönnt habe, dessen Inhalt ich mir nun sorgsam einteile. Wenn du nach Berlin kommst, solltest du es mir unbedingt gleichtun!

Selbstverständlich haben wir in den Heckmann-Höfen nicht nur himmlische Bonbons gelutscht, sondern auch viel Unterhaltsames und Wissenswertes über die Vergangenheit der Höfe erfahren, einen längeren Blick auf die Geschichte der jüdischen Gemeinde geworfen und immer wieder Klaus’ Redegewandtheit und Wissen über Berlin bewundert. Wenn ich das nächste Mal in Berlin bin, statte ich den Heckmann-Höfen auf jeden Fall wieder einen Besuch ab. Am liebsten natürlich mit Klaus.

 

Blick in die Bonbonmacherei

Blick in die Bonbonmacherei*

 

Manche Bewohner der Heckmann-Höfe geben sich beim Dekorieren sehr ausgefallen

Manche Bewohner der Heckmann-Höfe geben sich beim Dekorieren sehr ausgefallen

 

Dieses Krokodil auf dem Spielplatz hat es mir besonders angetan

Dieses Krokodil auf dem Spielplatz hat es mir besonders angetan

 

Dritte Station – Hackesche Höfe:

Anschließend spazierten wir über die Auguststraße und die Große Hamburger Straße in Richtung → Hackesche Höfe. Unterwegs kamen wir unter anderem an der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule vorbei, wo derzeit das Museum → THE KENNEDYS, das → MUSEUM FRIEDER BURDA | Salon Berlin, die → Michael Fuchs Galerie und die → CWC GALLERY sowie das → Restaurant »Pauly Saal« und das Deli → »mogg« beheimatet sind. Nachdenklich blieben wir vor zahlreichen → STOLPERSTEINEN stehen, passierten das einstige jüdische Krankenhaus von Eduard Knoblauch und das jüdische Kinderheim AHAWAH, dessen Name noch heute im AHAWAH-Village im israelischen Kiriat Bialik fortlebt. Auch in → »Clärchens Ballhaus« in der Mitte der Auguststraße warfen wir einen Blick – seit 100 Jahren erste Adresse für Berliner Nachtschwärmer und absolut sehenswert!

Inzwischen dunkelte es, was die in vielen Fassaden sichtbaren Einschusslöcher aus dem zweiten Weltkrieg noch gruseliger machte … Schockiert war ich auch von der Hässlichkeit der Plattenbauten entlang der Großen Hamburger Straße. Unglaublich, was Menschen der Architektur antun können, wenn sie es wie die DDR-Regierung darauf anlegen … Zum Glück konnten sich unsere Augen in den Hackeschen Höfen wieder entspannen und auf erfreulichere Entdeckungsreise gehen. Seit dem Mauerfall haben sich die acht Hackeschen Höfe zum zentralen Anlaufpunkt sowohl für Szenegänger als auch für Berlin-Besucher entwickelt. Sie bilden das größte geschlossene Hofareal Deutschlands und bieten zwischen der Rosenthaler- und der Sophienstraße auf 27 000 Quadratmetern Raum für 40 Gewerbeunternehmen. Dazu gehören Kultureinrichtungen ebenso wie Cafés, Restaurants, Läden und Galerien. Wohnen kannst du dort auch!

Als leidenschaftlicher Foodie war ich entzückt, als wir Berlins älteste Pralinenmanufaktur → Sawade betraten. Auch hier durften wir naschen und ich war hingerissen: Schokoladenwollust pur! Die Pralinenmanufaktur hat mich garantiert nicht zum letzten Mal gesehen. Ebenfalls begeistert hat mich ein kurzer Abstecher zu → trippen. Dort findest du außergewöhnliche Schuhe, die Ihresgleichen suchen. Umweltauflagen und Co. werden bei ihrer Herstellung nicht nur berücksichtigt, sondern haben direkten Einfluss auf die Gestaltung. Dadurch entsteht ein langlebiges Produkt, das dem Kunden zugleich eine große Vielfalt bietet. Und was soll ich sagen? Ich habe mir schon Sandalen für den Sommer ausgesucht …

 

Geschichtsträchtig: Ecke Auguststraße/Große Hamburger Straße

Geschichtsträchtig: Ecke Auguststraße/Große Hamburger Straße

 

Sawade ist ein Paradies für jeden Schokoladenliebhaber

Sawade ist ein Paradies für jeden Schokoladenliebhaber

 

Viel zu früh trennten sich unsere Wege wieder am Bahnhof Hackescher Markt

Viel zu früh trennten sich unsere Wege wieder am Bahnhof Hackescher Markt**

 

Bananenschneckerls Resümee:

Klaus’ »Berlinverführung« hat nicht nur mir unglaublich viel Spaß gemacht. Ich hätte ihm noch stundenlang zuhören können! Die Zeit ist wie im Nu verflogen und ich habe eine Menge über Berlin gelernt. Wenn du nun neugierig auf Berlins schönsten und klügsten Weihnachtsmann geworden bist, dann kannst auch du Klaus als Weihnachtsmann, Stadtführer oder Reiseleiter → buchen. Ich verspreche dir: Es lohnt sich!

Warst du ebenfalls schon einmal mit dem Weihnachtsmann in Berlin unterwegs? Ich freue mich wie immer über deinen Kommentar!

XOXO

Sissi

[*Foto Bonbonmacherei: Bonbonmacherei // **Foto Bahnhof Hackescher Markt: Heike von → Pidufos Welt // Alle anderen Schnappschüsse stammen von mir.]

Comments
6 Responses to “Berlinverführung mal anders”
  1. Heike sagt:

    Mit dem Weihnachtsmann durch Berlin zu gehen ist eine wahre Freude und ich kann es nur empfehlen, es hat mir viel Spass gemacht.

    Schönen Abend

    Heike

  2. Anna Möller sagt:

    Wie schön du das wieder geschrieben hast. 🙂 Ich lese deine Artikel immer wieder gerne!

  3. Perdita sagt:

    Ach – das war wunderschön! Die Hackeschen Höfe haben es mir besonders angetan, ich liebe Jugendstil!!!!

    LG

    Perdita

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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

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