Im Rekordtempo von München nach Berlin

Im Rekordtempo von München nach Berlin

Die Menschen halten mich aus den unterschiedlichsten Gründen für verrückt. Zum Beispiel, weil ich mich beharrlich weigere, in den Flieger zu steigen, wenn ich ein Ziel auch bequem mit dem Zug erreichen kann. Und das hat weniger mit meiner Flugangst zu tun (die habe ich inzwischen gut im Griff), sondern vielmehr mit meiner unerschütterlichen Zuneigung zu Zügen. Das klingt in unserer schnelllebigen Zeit vielleicht seltsam. Ist aber so. Nun darfst du dir aber bitte nicht vorstellen, dass ich allabendlich meine Schaffnermütze aufsetze und mit dem Schokoschnegel Modelleisenbahn spiele. Oh, nein! Ich spreche von echten Zügen. Zügen, die über Schienen rattern und Städte und Menschen verbinden. So wie am letzten Wochenende, als ich mit der Deutschen Bahn von München nach Berlin zu Annas Bloggertreffen → »Zwischen Spree und Späti« gereist bin. Von Anfang an war klar: Ich fahre mit dem Zug!

Ursprünglich wollte ich mit einem der neuen Sprinter-Züge nach Berlin reisen. Diese verbinden bereits seit Mitte Dezember 2017 die beiden Metropolen in Rekordzeit. Denn die Neubaustrecke durch den Thüringer Wald hat die Fahrtzeit von München nach Berlin – und vice versa – von sechs auf knapp vier Stunden gesenkt. Genial, oder? Sicher, anfangs gab es erhebliche Schwierigkeiten. Inzwischen sind die Züge aber pünktlich, eine gewisse Routine ist eingekehrt. Die Sprinter halten in München, Erfurt, Halle und am Berliner Südkreuz. Zusätzlich fahren 15 normale ICE-Züge mit häufigeren Stopps. Sie brauchen rund viereinhalb Stunden von München nach Berlin. Auch das empfinde ich schon als sehr komfortabel. Und so war es keine Frage, dass ich mich spontan gegen den Sprinter und für einen »normalen« ICE entschied, als ich online ein Supersparpreisangebot entdeckte, mit dem ich sogar in der Ersten Klasse reisen konnte.

 

So lässt sich das Reisen doch aushalten, oder? (Schnappschuss im ICE 802)

So lässt sich das Reisen doch aushalten, oder? (Schnappschuss im ICE 802)

 

Der größte Fahrplanwechsel in der Geschichte der Deutschen Bahn:

Die rund 500 Kilometer lange Neu- und Ausbaustrecke zwischen Nürnberg, Erfurt, Leipzig/Halle und Berlin ging am 10. Dezember 2017 in Betrieb. Für mich bietet die Schnellfahrstrecke von München nach Berlin eine konkurrenzfähige und umweltgerechte Alternative zu Straße und Flugzeug. Die verkürzte Fahrzeit macht das Reisen einfacher, verlässlicher und komfortabler. 45 Bahnhöfe in ganz Deutschland sind mit dem ICE über die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke im Thüringer Wald direkt erreichbar. Insgesamt profitieren rund 17 Millionen Menschen in Deutschland direkt von der Strecke. Das sind beeindruckende Zahlen, oder? Zahlen, die mich fast vergessen lassen, dass ich beim großen »Orkandebakel der Deutschen Bahn« im Oktober 2017 ungewollt in Hannover gelandet bin, obwohl ich nach Hamburg wollte. Übrigens gibt es auch in Sachen Sturmsicherheit spannende Neuigkeiten bei der Deutschen Bahn. Doch dazu ein andermal mehr.

Mit der Eröffnung der Strecke Berlin–München ist der größte Fahrplanwechsel seit Gründung der Deutschen Bahn verbunden. Seit dem 10. Dezember 2017 fährt ein Drittel aller DB-Fernzüge (!) nach neuem Fahrplan. Zahlreiche Verbindungen verbessern sich. Diese Angebotsoffensive ist Teil des Qualitätsprogramms »Zukunft Bahn«, mit dem die Deutsche Bahn das Reisen komfortabler und verlässlicher machen will.

 

Angebotsverbesserungen im Fernverkehr:

Die beiden Metropolen Berlin und München sind mit den neuen Sprinter-Zügen in weniger als vier Stunden miteinander verbunden, Berlin und Nürnberg in unter drei Stunden. Dabei wurde besonders auf die Bedürfnisse von Geschäftsreisenden geachtet: Die Sprinter fahren werktags gegen 6:00, 12:00 und 18:00 Uhr in Berlin bzw. München ab. Auch die stündlich verkehrenden Takt-Züge zwischen beiden Metropolen sind rund 90 Minuten schneller als früher.

Weitere große Vorteile: Die Bahn bietet deutlich mehr Direktverbindungen zwischen einzelnen Städten – so beispielsweise Berlin‒Frankfurt/Main, Erfurt‒Berlin sowie Erfurt‒Hamburg. Eine neue Direktverbindung gibt es auch: Von Leipzig aus kommen Reisende künftig zweistündlich ohne Umstieg nach Mannheim, Stuttgart oder Ulm. Städte wie Magdeburg oder Dresden, die nicht unmittelbar an der neuen Schnellfahrstrecke liegen, profitieren durch kurze Umstiegszeiten in Halle, Leipzig bzw. Erfurt von der neuen Verbindung. Hier reduziert sich die Fahrzeit um mindestens eine Stunde. Dank guter Anschlüsse in den großen ICE-Knotenbahnhöfen Berlin, Halle, Leipzig, Erfurt, Nürnberg und München zum Nahverkehr gehören auch die Regionen zu den Profiteuren der Neubaustrecke. Kurzum: Deutschland wird schneller, direkter und besser verbunden.

 

  • München und Berlin: Reisende zwischen beiden Städten sparen bis zu zwei Stunden Fahrzeit. Abgestimmte Fahrpläne mit dem Nahverkehr tragen den Zeitvorteil bis in die Regionen.
  • Erfurt: Thüringens Landeshauptstadt ist neues Fernverkehrsdrehkreuz in Mitteldeutschland. Die Zahl der ICE-Abfahrten erhöht sich um 70 Prozent auf rund 80 Abfahrten pro Tag. Der ICE fährt jede Stunde in alle vier Himmelsrichtungen.
  • Frankfurt/Main: Die Bankenmetropole erhält mehr Direktverbindungen nach Berlin. Durchschnittlich fahren zwei Züge pro Stunde in die Bundeshauptstadt und zurück.

 

Angebotsverbesserungen im Nahverkehr:

Dank der neuen Strecke Berlin–München gewinnt auch der Nahverkehr an Attraktivität. In Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Bayern sind viele Nahverkehrslinien bestmöglich mit den neuen Verbindungen im Fernverkehr verknüpft. Damit profitieren auch die Reisenden, die den Nahverkehr in ihrer Reisekette nutzen, von den deutlich verringerten Fahrzeiten auf der neuen Strecke. In Bayern gibt es zudem ein neues Nahverkehrsangebot auf der Schnellfahrstrecke von Nürnberg über Coburg nach Sonneberg – hier sind Verbindungen bis zu 30 Minuten schneller.

In Bayern sind durch die Schnellfahrstrecke darüber hinaus auch viele Relationen im Nahverkehr attraktiver, insbesondere Verbindungen nach Erfurt und Berlin sowie auch die nach München. Das betrifft den Franken-Thüringen-Express (FTX) genauso wie die Mittelfrankenbahn, die Mainfrankenbahn und den Main-Spessart-Express, aber auch die S-Bahn Nürnberg. Verbindungen Richtung Osten wie zum Beispiel nach Neumarkt/Oberpfalz profitieren ebenfalls.

Durch die Eröffnung der neuen Schnellfahrstrecke Berlin–München sind von Nürnberg und von Bamberg sowie vom zweistündlichen Zwischenhalt Erlangen aus neue, direkte und schnellere Reiseverbindungen nach Erfurt, Leipzig/Halle und Berlin möglich. Auch Zubringerverkehre nach Nürnberg und Bamberg profitieren von der neuen Strecke – dies gilt natürlich analog auch für die Gegenrichtung wie beispielsweise Kulmbach–Erfurt oder Neumarkt/Oberpfalz–Berlin. So verringert sich die Fahrzeit von Kulmbach nach Erfurt um 70 Minuten oder von Neumarkt/Oberpfalz nach Berlin um 80 Minuten.

 

Faszination Infrastruktur:

Die Strecke weist modernste, technische Standards auf. Ob das »Fahren ohne Signale« nach dem European Train Control System (ETCS) oder die integrale Brückenbauweise, bei der die Ingenieure erstmals beim Eisenbahnbrückenbau in Deutschland auf die wartungsintensiven und verschleißanfälligen Lager zwischen dem Überbau der Brücke und den Pfeilern verzichtet haben. Diese Bauweise lässt die Brücken schlanker erscheinen und so fügen sie sich optisch besser in die Landschaft ein. Innovation wird belohnt: Die »Deutschen Brückenbaupreise« 2012 und 2014 gingen an die Scherkondetalbrücke und die Gänsebachtalbrücke. Auch die längste Eisenbahnbrücke Deutschlands und zugleich längste Fernbahnbrücke Europas befindet sich auf der Strecke: die Elster-Saale-Talbrücke mit 8,6 Kilometern Länge.

Mit dem einheitlichen europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS und dem Funksystem GSM¬R können Züge ohne Streckensignale sicher geleitet werden. Die wichtigen Daten werden über Funk zwischen Zug, Streckenzentrale und Transpondern im Gleis übermittelt. ETCS soll zukünftig die rund 20 noch geltenden Sicherungssysteme komplett ablösen, die zurzeit noch einen grenzüberschreitenden innereuropäischen Verkehr behindern. Die beiden Neubaustrecken Ebensfeld-Erfurt und Erfurt-Halle/Leipzig werden mit dem modernsten System der Leit- und Sicherungstechnik ausgerüstet. Hier wird die neueste Version des Europäischen Zugbeeinflussungssystems ETCS (die so genannte baseline 3) eingeführt.

Um Geschwindigkeiten bis maximal 300 Kilometern pro Stunde auf der Strecke zu ermöglichen, kommt als Fahrbahn ein festes System ohne den sonst üblichen Schotter zum Einsatz, die sogenannte »Feste Fahrbahn«.

 

VDE 8: Das größte Infrastrukturprojekt Deutschlands:

Das Zehn-Milliarden-Projekt Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE) Nr. 8 wurde 1991 nach der Wiedervereinigung Deutschlands von der Bundesregierung beschlossen, um die Verkehrsanbindung auf der Schiene zwischen Ost und West sowie zwischen Nord und Süd für den Personen- und Güterverkehr nachhaltig zu verbessern. Auf den vorhandenen Strecken waren die prognostizierten Verkehrsaufkommen hinsichtlich der Kapazität und der Geschwindigkeit nicht zu bewältigen. Die Schnellfahrstrecke Berlin–München ist ein Lückenschluss im deutschen Hochgeschwindigkeitsnetz und stellt gleichzeitig einen wichtigen Abschnitt im Transeuropäischen Schnellbahnnetz (TEN) dar.

 

Jeder fünfte deutsche Berlin-Besucher kommt aus Bayern:

Bayern zählt für den Berlin-Tourismus zu den wichtigsten Bundesländern: Jeder fünfte deutsche Berlin-Besucher kommt schon heute aus dem südlichen Bundesland (Quelle: Qualitätsmonitor Deutschland-Tourismus für 2015/2016). Damit bilden Gäste aus dem Freistaat die zweitgrößte Besuchergruppe hinter Nordrhein-Westfalen. Der Anteil bayerischer Besucher ist gegenüber den Jahren 2009/2010 dabei um sieben Prozent gestiegen. Die neue Schnellstrecke wird auch für Besucher aus Südeuropa, die über München reisen, eine Brücke nach Berlin sein. »Die neue Bahnverbindung ist ein wichtiger Impuls für den Berlin-Tourismus. Damit ist die letzte Lücke im ICE-Schnellstreckennetz von und nach Berlin geschlossen«, sagt Burkhard Kieker, Geschäftsführer von visitBerlin. »Internationale Gäste werden die Ingenieurleistung und Schönheit der Strecke zu schätzen wissen.« Und nicht nur die: Mir hat die Reise auch sehr viel Spaß gemacht.

 

Bananenschneckerls Resümee:

Dank der neuen Schnellfahrstrecke von München nach Berlin werde ich zukünftig noch häufiger in die Hauptstadt reisen. Ganz bequem, mit viel Beinfreiheit und sogar kostengünstiger als mit dem Auto oder dem Flugzeug. Schneller als der Flieger war meine Anreise mit Bus, S-Bahn und Zug übrigens auch! Denn wenn ich einmal zusammenrechne, wieviel Zeit ich brauche, bis ich mit dem Öffentlichen Personennahverkehr bis zum Münchner Flughafen brauche, dazu addiere, dass ich frühzeitig einchecken muss und ja auch noch ein kurzes Weilchen in der Luft bin, komme ich auf sechseinhalb Stunden von der Haustür bis zu meinem Ziel in Berlin. Mit den Öffis plus Zug habe ich es diesmal in weniger als sechs Stunden geschafft. Und konnte dabei entspannt die schöne Landschaft bewundern. Klinge ich jetzt immer noch verrückt?

Wie reist du am liebsten? Ich freue mich wie immer über deinen Kommentar!

XOXO

Sissi

[Quelle: → Deutsche Bahn AG, → visitBerlin und eigene Recherche // Artikelbild: Testfahrt ICE 3 BR 403 von Kai Michael Neuhold für die Deutsche Bahn AG]

Comments
2 Responses to “Im Rekordtempo von München nach Berlin”
  1. Perdita sagt:

    Auch ich reise gerne mit dem Zug. Es entspannt mich ganz einfach.

    LG Perdita

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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

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