Verbotene Kostüme, Anscheinswaffen und Co.

Verbotene Kostüme, Anscheinswaffen und Co.

Am 8. Februar geht es wieder los: Die Weiberfastnacht läutet den Straßenkarneval 2018 ein. Jecken und Narren feiern in bunten Kostümen die »fünfte Jahreszeit«. Doch auch, wenn viele Regeln an den »tollen Tagen« außer Kraft gesetzt zu sein scheinen, müssen einige Vorschriften weiterhin beachtet werden. Spätestens im Straßenverkehr ist Schluss mit lustig, denn Sicherheit geht vor. Und auch auf der Faschingsfeier ist nicht alles erlaubt: Falsche Waffen und Sachbeschädigungen können geahndet werden, selbst wenn alles »nur ein Spaß« war.

 

Männern ungefragt die Krawatte zu kürzen, ist Sachbeschädigung:

Nach alter Tradition rücken Damen zur Weiberfastnacht den Herren mit der Schere auf die Pelle und kürzen ihnen die Krawatten. Das heitere Treiben kann jedoch teuer werden, denn ohne Zustimmung des Krawattenträgers handelt es sich dabei um Sachbeschädigung. Die Schädigerin muss den Schaden also ersetzen. Sollte der Herr trotz des anschließenden »Bützchens« nicht in Feierlaune kommen und Anzeige erstatten, so darf die Närrin nicht auf ihren Versicherungsschutz hoffen. Denn die Haftpflichtversicherung kommt nicht für vorsätzliche Sachbeschädigung auf.

Allerdings kann ein Anspruch auf Schadensersatz auch teilweise verneint werden, wenn sich der Vorfall auf dem Gelände einer Karnevalsfeier ereignet und der Beschädigte vom Brauchtum des Krawattenkürzens hätte wissen müssen (vgl. das Urteil des Essener Amtsgerichts vom 03.02.1988, Az. 20 C 691/87).

 

Untersagte Verkleidungen:

Dienstbekleidungen stellen eine beliebte Kostümierung in der Faschingszeit dar. Grundsätzlich sind diese auch erlaubt, allerdings sollte von der Verwendung alter Originaluniformen Abstand genommen werden. Dies gilt insbesondere für die Berufskleidung von Polizisten, damit eine Verwechslung von diensthabenden Ordnungshütern mit verkleideten Spaßvögeln keine Probleme verursacht. Auch echte, jedoch ungeladene Waffen, die das Kostüm lediglich perfektionieren sollen, sind strengstens verboten.

Besonders in Zeiten des allgegenwärtigen Terrorismus sollten grundsätzlich Maskeraden in dschihadistischer oder rechtsextremer Form vermieden werden, um keine Angst während des Festes zu schüren. Guter Geschmack ist eh etwas anderes.

 

Waffenattrappen – Bußgelder bis 10 000 Euro drohen:

Sei es ein Revolver beim Cowboykostüm oder Pfeil und Bogen für Robin Hood – nicht selten gehört zur perfekten Verkleidung die Nachbildung einer Waffe. → Paragraf 42a Waffengesetz (WaffG) regelt allerdings, dass diese eine unnatürliche Größe oder Farbe aufweisen muss, um eindeutig von einer echten Waffe unterschieden werden zu können. Dies gilt nicht nur in der Faschingszeit! Generell stellt das Führen von täuschend echt aussehenden Pistolen und Gewehren in der Öffentlichkeit eine Ordnungswidrigkeit dar und wird mit bis zu 10 000 Euro Bußgeld belangt. Bestraft wird außerdem, wer die falschen Waffen dazu missbraucht, echten Schrecken zu verbreiten. Auch in diesem Fall kann das Bußgeld bis zu 10 000 Euro betragen. Autsch, das wäre dann ein teurer »Spaß«!

Im Rahmen der Brauchtumspflege werden Anscheinswaffen toleriert, solange sie die oben genannten Abweichungen erfüllen. Solche Karnevalskostüme ziehen somit nicht in jedem Fall ein Bußgeld nach sich. Dennoch ist die Polizei dazu verpflichtet, besondere Vorsicht walten zu lassen und die Träger solcher Attrappen gründlich zu durchsuchen. Unter Umständen ist sie zudem dazu befugt, die Waffen nach eigenem Ermessen zu konfiszieren. Und weg ist weg.

 

Kostümiert im Auto?

Grundsätzlich sind Verkleidungen während der Autofahrt nicht verboten. Allerdings macht → § 23 der Straßenverkehrsordnung (StVO) Führer von Kraftfahrzeugen dafür verantwortlich, selbst dafür Sorge zu tragen, dass sie beim Fahren nicht behindert werden. Auch Jecken müssen daher sicherstellen, dass ihre Sicht frei ist und ihr Gehör nicht beeinträchtigt wird. Falsche Brillen, Nasen oder Bärte, Perücken und erst recht Ganzkopfmasken solltest du also ablegen, bevor du mit einem Kfz am Straßenverkehr teilnimmst. Anderenfalls kann die Polizei sie aus dem Verkehr ziehen und ein Verwarngeld von zehn Euro verhängen. Kein Bußgeld droht, wenn die Verkleidung keinen Einfluss auf dein Sicht- oder Gehörfeld hat. Denn ein »Vermummungsverbot«, wie etwa auf Demonstrationen, gibt es beim Autofahren nicht.

Wurde jedoch aufgrund der Kostümierung ein Unfall verursacht, hat der Fahrer seine Sorgfaltspflicht verletzt. In diesem Fall wird neben den üblichen Konsequenzen eines Verkehrsunfalls ein zusätzliches Bußgeld erhoben. Auch Versicherungen können die Kaskoleistungen verweigern, wenn grobe Fahrlässigkeit vorliegt, so etwa, wenn der Fahrer im Karnevalskostüm unterwegs war.

 

Das sagt der Schokoschnegel:

Der Kostümwahl sind also zum Glück für alle Jecken und Narren nur wenige Grenzen gesetzt. Und kluge Männer lassen an Weiberfastnacht ihre Krawatten besser im Schrank. Meine jedenfalls sind mir zum Abschneiden viel zu schade. Weitere Informationen über mögliche Bußgelder in der Faschingszeit, zum Beispiel für Autofahrten unter Alkoholeinfluss, Glasflaschen im Straßenkarneval oder Wildpinkeln findest du im Infoportal → Bußgeldkatalog. Bist du ein Faschingsmuffel wie ich oder kannst du die »tollen Tage« gar nicht mehr erwarten? Ich freue mich über deinen Kommentar!

XOXO

Markus

[Artikelbild: John Noonan]

Comments
One Response to “Verbotene Kostüme, Anscheinswaffen und Co.”
  1. Martina sagt:

    Hallo Markus,

    ein interessanter Artikel. Ich bin ein absoluter Faschingsmuffel und flüchte mit Anhang in eine Waldhütte.

    Liebe Grüße

    Martina

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