Halloween #4 - Gruselig grinsende Geister

Halloween #4 – Gruselig grinsende Geister

Der Abwechslung zuliebe möchte ich dir in unserem heutigen Halloweenspecial das Rübengeistern vorstellen. Denn schon lange, lange, bevor Halloween auch hierzulande Brauch wurde, zogen Menschen an dunklen Herbstabenden mit Rübengeistern von Tür zu Tür. Und so sehr ich Halloween liebe, so schade finde ich es auch, wenn wir alte Brauchtümer vergessen. Rübengeister sind aus Zucker-, Runkel- oder Steckrüben geschnitzte Laternen und Teil vieler regionaler Licht-, Wärme- und Erntedanktraditionen. In das Innere wird ein Teelicht oder eine Kerze gestellt. Rüben nahmen im Mittelalter dieselbe Stellung in der Ernährung ein wie heute die Kartoffel. Sie waren sozusagen in aller Munde. Kein Wunder also, dass die Menschen in früheren Zeiten daraus auch Laternen schnitzten, um das Erntedankfest zu feiern oder böse Geister und Dämonen zu vertreiben. Doch wie wurde die Rübe zum Schreckgespenst?

Die Ursprünge des Rübengeisterns liegen im Dunkeln. Es erinnert in seinem heute gepflegten Ablauf jedoch stark an das irisch-amerikanischen Halloween mit aus Kürbissen gefertigten Jack O’Lanterns. Verkleidet wird sich dabei allerdings nicht. Dennoch ist eine Abgrenzung zu Halloween heutzutage kaum noch möglich, die Übergänge sind fließend. Hinzu kommt, dass immer weniger Futterrüben angebaut werden, während Kürbisse als Zier- und Speisekürbisse immer beliebter werden. Nimmt man dann noch den Umstand dazu, dass ein Kürbis wesentlich leichter auszuhöhlen ist als eine Rübe, dann ist es nur logisch, dass selbst auf traditionellen Rübengeister-Umzügen immer häufiger Kürbisse zu sehen sind. Wie dem auch sei: Sehen wir uns doch mal gemeinsam an, wo Rübengeister auch heute noch auf Rübenumzügen durch die Straßen wandern!

 

Kunstvoll geschnitzte Herbstrüben (Bild: Micha L. Rieser)

Kunstvoll geschnitzte Herbstrüben (Bild: Micha L. Rieser)

 

Bochseltiere:

Im Rheinland, in Süddeutschland sowie in verschiedenen Schweizer Gemeinden finden an den Donnerstagen vor Weihnachten lärmende Umzüge von Kindern und Jugendlichen mit Bochseltieren statt. Ein sehr alter Brauch: Schon im Mittelalter wurden Verordnungen erlassen, die das »Bogschlen (..) sol verbieten«. Der Begriff bochseln ist verwandt mit posseln oder pochen und bedeutet so viel wie klopfen, Lärm erzeugen oder Schabernack treiben. Dieses Lärmen hat in früheren Zeiten vermutlich dazu dienen sollen, böse Geister und Dämonen zu vertreiben. Die Bochselnacht erinnert zugleich auch an alte Totenbräuche, deren Ursprung in mit römischen Bräuchen vermischten keltischen und germanischen Sitten liegen. Noch heute werden neben anderen Mustern häufig Totenköpfe in die Rüben geschnitzt. Andere sehen in der Bochselnacht eine Huldigung an den germanischen Donnergott Donar, weil er dem Donnerstag seinen Namen geschenkt hat, und wieder andere verbinden ihn mit einer Pestepidemie im 17. Jahrhundert.

 

Dickwurzmann/Dickwurzkopp:

Im Hessischen gibt es den Dickwurzmann, dem die Dickwurz bzw. Dickwurzel (Futterrübe) den Namen verliehen hat. Der Rübe wird oben ein »Hut« abgeschnitten, sodass sie ausgehöhlt werden kann. Anschließend bekommt der Dickwurzkopp Augen, Mund und Nase geschnitzt, damit er auch schön gruselig aussieht. Auf dem Innenboden wird ein kleines Loch für die Kerze angebracht und anschließend der Deckel wieder aufgesetzt. Der Dickwurzmann wird dann am Abend an einem Besenstiel durch die Ortschaften getragen, erschrickt die Nachbarn am Fenster oder findet seinen Platz neben der Hautür oder im Garten. Gerade als Gartendekoration finde ich diese Dickwurzköpp auch heute noch sehr gelungen!

 

Flenntippl:

Flenntippln ist ein Wort aus der Oberlausitzer Mundart. Bei diesem Brauch höhlen Kinder Futter- oder Zuckerrüben aus und schnitzen ihnen schaurige oder lustige Gesichter. In der Woche vor Allerheiligen stellen die Kinder brennende Kerzen in ihre Rüben, ziehen damit durch die Dörfer und stellen die Flenntippl in den Vorgärten der Nachbarn auf. Anschließend klingeln sie und verstecken sich, um beim Entdecktwerden Süßigkeiten zu bekommen. Der Name leitet sich von den Wörtern flennen für weinen und Tippl für Töpfchen her, da es durch das Flackern der Kerze so wirkt, als würde das Flenntippl weinen.

 

Kilbesingen:

Das Kilbesingen ist ein alter, heute fast ausgestorbener Brauch im Gebiet der vorderösterreichischen Raumschaft Schramberg. Am dritten Samstag im Oktober ziehen Kinder mit Laternen und Rübengeistern durch die Straßen von Schramberg und den umliegenden Dörfern und erhoffen sich, durch ihr Kilbesingen Süßigkeiten, Äpfel, Birnen, Walnüsse und Guzle (Bonbons und süße Teigwaren) zu verdienen. Kleinere Kinder werden dabei von ihren Eltern begleitet. In Lauterbach dauert das Kilbesingen von Samstag bis Mittwoch.

 

»Küachle raus, Küachle raus, oder i werf an Stoa ans Haus, Zucker druff, Zucker druff, oder i steig am Fenster nuff!« (Kilbelied aus Lauterbach und Tennenbronn)

 

Kipkapköögels:

In Ostfriesland war es früher Brauch, dass die Kinder der armen Bevölkerung zum Martinifest im November mit Kipkapköögels von Haus zu Haus zu zogen und mit kleinen Gedichten oder Sprüchen um Lebensmittel und Gaben für den Wintervorrat der Familie bettelten. Auch die Kipkapköögels waren ausgehöhlte und mit geschnitzten Gesichtern verzierte Futterrüben, die innen von einer Kerze beleuchtet wurden. Leider geriet dieser Brauch aber im Laufe der Jahre immer mehr in Vergessenheit und wurde schließlich vom Martinisingen zu Ehren des Geburtstages Martin Luthers am Abend des 10. November abgelöst. Heute wird vielerorts von Landvereinen versucht, diesen Brauch neu aufleben zu lassen.

 

Mit de Kippkappkögels kom’ wi weer an
elk singt so munte, as he man kann
is ja Sünner Maarten, nümms blifft to Hus,
Appels und Beeren kreegen wie to Schmuus
Worum wi singen dat weet ji doch,
Luthers Geburtstag de fiern wie nu noch.
fiefhunnert joahr is dat al her,
und noch geit Luthers Wort övert Eer.
Dit Wort sall alltied un ewig bestahn,
dit Wort sall düren, sall nich vergahn.
Sünner Maartens Avend, Sünner Maartens Sang,
un de Kippkappkögels blieven noch lang.

 

Kürbislotter:

Lustigerweise bekamen die Rübengeister in der Steiermark in Gegenden mit intensivem Kürbisanbau schon früh Konkurrenz. Bis heute werden dort im Herbst Kürbisse ausgehöhlt und mit Fratzengesichtern verziert, die man Kürbislotter nennt. Traditionelle Heischebräuche scheinen damit jedoch nicht verbunden zu sein.

 

Martinsfackeln:

Im Rheinland hat sich mancherorts der Brauch erhalten, die Martinsfackeln für den Martinszug aus Rüben zu schnitzen. Ich war selbst schon bei einem Rübengeisterumzug zugegen und fand das sehr schön schaurig.

 

Moas:

Eine regionale Besonderheit ist der Moas in Vorarlberg. Dabei gehen Kinder und Jugendliche von Anfang September bis Ende Oktober mit einem geschnitzten Kürbisgesicht – dem so genannten Moo, der an ein Mondgesicht erinnert – von Haus zu Haus und bitten mit einem Spruch, einem Lied oder einem Gedicht um etwas Süßes. Im Gegensatz zu Halloween wird hierbei aber kein Streich angedroht, sollte man leer ausgehen.

 

Räbenlichter:

Als Räbenlichter oder Räbelichtli werden im alemannischen Raum aus Herbstrüben (Räben) gebastelte Laternen bezeichnet. Bis heute stellen Kinder in vielen Schweizer Kantonen sowie im Schwarzwald solche Laternen her und feiern damit das Einbringen der letzten Feldfrüchte im November. Auf den Umzügen werden auch die passenden Lieder gesungen, wie etwa »Ich geh mit meiner Laterne«, das ebenfalls schriftdeutsche »Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne« oder auf Alemannisch »Rääbeliechtli, wo gasch hii?«.

 

Riabagoaschter:

In baden-württembergischen Oberschwaben und im Regierungsbezirk Schwaben tragen Kindergruppen nach Einbruch der Dämmerung die stark an die Larven und Schemmen der Fastnacht erinnernden Schreckgesichter von Haus zu Haus. Dabei singen die Kinder häufig kleine Lieder oder sagen Sprüche auf: »Wir sind die Rübengeister und geh’n von Haus zu Haus, wir bitten um ’ne Gabe, dann geh’n wir wieder nach Haus!« Oder: »Wir sind die Rübengeister und sind im Schnitzen Meister; drum gebt uns gute Gaben, dann können wir uns laben.« Ein anderer Spruch ist auch: »Wir sind die Rübengeister und essen gerne Kleister und wenn Sie keinen haben, dann bitten wir um Gaben!« Mancherorts werden Rübengeister mundartlich auch Runklema (Rübenmann) genannt.

 

Rubebötz:

Rubebötz (Rübengeist) ist ein Wort aus der thüringisch-hennbergischen Mundart. Dabei handelt es sich eigentlich nicht um einen Geist bzw. um einen Bötz, sondern um eine ausgehöhlte Futterrübe mit einem eingeschnitzten furchterregenden Gesicht. Damit das Ganze im Dunklen wirklich gruselig aussieht, wird noch eine Kerze oder eine Glühlampe hineingesteckt. Der Tradition gemäß werden Rubebötze in der Zeit um Allerheiligen gebastelt und aufgestellt.

 

Rummelbooze:

Im Saarland und einigen Regionen der Pfalz ist ebenfalls der Brauch des Rübengeisterns verbreitet. Dort werden die Rübenfiguren Rummelbooze genannt. Rummel steht für Futterrübe und Booze für Verkleidung/Vermummung. Der Rummelbooze wird im Saarland meist vor der Haustür oder auf eine Fensterbank gestellt, damit er von außen gut sichtbar ist. Üblich war früher auch eine Verkleidung mit einem weißen Leintuch. Die Geister und Gespenster lassen grüßen! Die Umstellung der Landwirtschaft auf Mais- statt Rübenanbau sorgte jedoch dafür, dass der Brauch heute fast ausgestorben ist. In Niedaltdorf versucht die Dorfgemeinschaft den Brauch seit einigen Jahren wieder aufleben zu lassen. Ein Bauer baut die Rüben eigens dafür wieder an. Sehr cool, oder?

 

Rummelbooze (Bild: LoKiLeCh)

Rummelbooze (Bild: LoKiLeCh)

 

Rummelnacht, Runkelrübengeister und Gloihniche Deuwel:

In manchen Gegenden, wie etwa im Taunus, ist für die ausgehöhlten Rüben auch der Begriff Gloihniche Deuwel oder Gliihnische Deijwel gebräuchlich. Im oberwesterwäldischen Meudt hingegen ziehen im Herbst die Runkelrübengeister von Haus zu Haus. Mit dem Spruch »Wir sind die Runkelrübengeister, halten Wache vor dem Haus. Drinnen wohnt der Herr und Meister und wir gehen ein wenig aus« und mit von Kerzen erleuchteten Futterrüben, die auf langen Ästen stecken, wird dabei um eine süße Gabe gebeten.

 

Traulicht:

Als Traulicht, Trauliicht bzw. Rauliicht (Luxemburg), Trouliecht (Mosel), Drauliht bzw. Tröhlit (Lothringen) werden im moselfränkischen Raum aus Futterrüben geschnitzte Laternen bezeichnet. Das Wort leitet sich ab von Druglicht (Truglicht, Irrlicht). Der Begriff aus der Sagenwelt bezeichnet Lichter, die über Mooren aufleuchten und Wanderer in die Irre führen. Beim Trouliechtern oder Traulichtbrennen werden ebenfalls Rübengeisterlaternn aus Futterrüben geschnitzt und aufgestellt. Der Brauch ist um das Fest Allerheiligen und am Martinstag angesiedelt und hatte seinen Ursprung darin, die während der Sommermonate vom Weidevieh von den Wiesen mit in den Stall gebrachten bösen Geister zu vertreiben. Hierzu wird das Traulicht in den Gassen, der Türschwelle oder auf Fensterbänken aufgestellt. In einigen Orten werden die geschnitzten Gesichter darüber hinaus am Wochenende in der Nacht im Fackelzug durch den Ort getragen, um die bösen Herbst- und Wintergeister zu vertreiben. Das Traulicht wird dazu auf einem Holzbengel gesteckt und während des Kuhabtriebs mitgenommen. Wenn die Kühe zwischen den Traulichtern durch die Stalltür gehen, werden sie nach dem Brauch frei von Krankheiten. Außerdem werden auch die Geister, die sich während des Sommers im Stall befanden, durch die Traulichter vertrieben.

 

Traulicht (Bild: Otets)

Traulicht (Bild: Otets)

 

Bananenschneckerls Resümee:

Wie du siehst, ist der Kürbis nicht das Maß aller Dinge! Ich finde es sehr schade, dass der alte Brauch des Rübengeisterns immer mehr durch Halloween verdrängt wird. Daher hätte ich dir jetzt gar zu gern meinen eigenen Rübengeist gezeigt und dir erzählt, wie ich ihn geschnitzt habe. Leider konnten wir auch mit vereinten Kräften keine geeignete Zucker-, Runkel- oder Steckrübe auftreiben. Unsere Bauern, bei denen wir regelmäßig Obst und Gemüse kaufen, haben uns auf unsere Frage nach einer Rübe angeguckt, als seien wir deppert. Und so musste ich für das Artikelbild auf ein Archivfoto mit gruselig grinsenden Kürbisgeistern zurückgreifen.

Mei, man kann nicht alles im Leben haben. Dennoch wünsche ich mir, dass sich die traditionellen Bräuche neben Halloween behaupten können. Um Brauchtum und Traditionen geht es auch morgen bei Anna von Misses kleine Welt, die sich im zweiten Teil unserer Miniblogparade mit → Samhain, dem Fest der Ahnen beschäftigt. Schau doch mal bei ihr vorbei – sie freut sich schon auf dich. Und nun bin ich neugierig: Pflegst du den alten Brauch des Rübengeisterns oder stellt du lieber einen geschnitzten Kürbis auf? Ich freue mich wie immer über deinen Kommentar!

XOXO

Sissi

 

Comments
2 Responses to “Halloween #4 – Gruselig grinsende Geister”
  1. Hallo Sissi,

    die sehen ja richtig schick aus 🙂 Zu Halloween gehört ein Kürbis dazu, zumindest wer Kinder im Haus hat, aber ich habe noch nie einen selber geschnitzt 😀 ..

    LG Katrin

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  1. […] sogar entfernt etwas mit dem Fest der Toten von damals zu tun haben. Im Rahmen der Blogparade Gruselig grinsende Geister werde ich versuchen, Euch die Ursprünge des heutigen Halloween näher zu […]



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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

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