#BloggerfuerBTW - Geh wählen!

#BloggerfuerBTW – Geh wählen!

Morgen ist es soweit: Bundestagswahl. Punkt 8:00 Uhr öffnen die Wahllokale ihre Türen und du kannst deine Stimme abgeben. Bis 18:00 Uhr hast du dafür Zeit. Dann schließen die Wahllokale wieder und unsere Stimmen werden ausgezählt. Im Anschluss finden die Ermittlung, Feststellung und Bekanntgabe des vorläufigen Wahlergebnisses durch den Bundeswahlleiter statt. Bis 15:00 Uhr kannst du in besonderen Fällen sogar noch einen Wahlschein beantragen (§25 Abs. 2 BWO), zum Beispiel bei nachgewiesener plötzlicher Erkrankung. Es gibt also keine Ausrede dafür, heuer nicht wählen zu gehen. Und damit auch wirklich möglichst viele Menschen zur Wahl gehen, habe ich mich spontan dazu entschlossen, auf den letzten Drücker an Danielas Bloggeraktion → #BloggerfuerBTW teilzunehmen.

Viele meiner Freunde haben bereits per Briefwahl ihre Stimme abgegeben. Eine feine Sache, vor allem für Menschen, die auf Reisen sind. Auch ich habe diese Möglichkeit schon in Anspruch genommen, als ich im Ausland gelebt habe. Doch in diesem Jahr möchte ich persönlich ins Wahllokal gehen, um die Stimmung der Menschen zu erkunden. Ursprünglich wollte ich mich sogar als Wahlhelferin melden. Aber das hat aus Termingründen leider nicht geklappt. Schade. Übrigens sollte sich jeder Homo politicus wenigstens ein Mal im Leben als Wahlhelfer engagieren. Das ist spannend und du lernst eine ganze Menge mehr darüber, wie solch eine Wahl abläuft, als du es im Internet oder in den klassischen Medien erfahren kannst. Und Spaß macht es außerdem! In vier Jahren werde ich daher auf jeden Fall wieder live dabei sein. Doch heute geht es erst einmal um morgen. Und das nicht nur im metaphorischen Sinne.

 

Ganz offen? Ich habe Angst …

Die morgige Bundestagswahl ist die erste seit meinem allerersten Gang zur Wahlurne im Jahre 1990, vor deren Ausgang ich mich grusele. Ich bin ja kein ganz junger Hüpfer mehr und so habe ich schon viele Bundesregierungen und Bundeskanzler kommen und gehen sehen. Angefangen bei Willy Brandt (SPD, 1969 bis 1974) über Helmut Schmidt (SPD, 1974 bis 1982), Helmut Kohl (CDU, 1982 bis 1998) und Gerhard Schröder (SPD, 1998 bis 2005) bis hin zu Angela Merkel (CDU, 2005 bis ?). Als echtes Ruhrpottkind mit hohem Umweltbewusstsein war für mich immer klar, wer meine Stimme(n) bekommt.

Erst in den letzten Jahren wurde auch ich immer mal wieder ein Opfer dessen, was sich auf Neudeutsch so schön »Politikverdrossenheit« nennt. Und kam dabei ordentlich ins Grübeln. Denn die etablierten Parteien – und dazu zähle ich inzwischen auch die Grünen – haben nicht nur mich immer wieder enttäuscht. Sie bieten auch in diesem Jahr keine echten Lösungsansätze, sondern haben sich im Wahljahr 2017 erneut einen peinlichen Kuschelwahlkampf geboten. Die für den Fortbestand unserer Gesellschaft so brennenden Themen wie Umweltschutz, gesunde Ernährung, Bildung und Arbeit für alle oder gar Flüchtlingskrise und Terror wurden nicht angepackt. Zu heiße Eisen? Die Quittung bekommen wir jetzt mit der AfD. Und deren Zuspruch – nicht nur – in den sozialen Netzwerken macht mir Angst.

 

Quo vadis, Deutschland?

Am Abend vor der Wahl sieht es so aus, als habe die AfD reelle Chancen, morgen die stärkste Oppositionspartei respektive die drittstärkste Partei zu werden. Allein dies würde der Partei schon mehrere parlamentarische Privilegien einräumen. Doch die Folgen, die dies für unseren – nicht nur – politischen Alltag haben könnte, sind weitaus gefährlicher … Denn das Leben, wie wir es kennen, wäre damit endgültig vorbei.

 

Wer oder was ist die AfD überhaupt?

Die »Alternative für Deutschland« aka AfD wurde als Reaktion auf die Euro-Rettungpolitik 2013 in Berlin gegründet. Sie gilt als (und ist es auch) rechtspopulistisch, nationalkonservativ, wirtschaftsliberal, eurokritisch, mediengefährdend und nicht zuletzt rassistisch sowie frauen- und schwulenfeindlich. Wurgs! Dennoch hat sie viele Anhänger. Zu viele. Bereits bei der Europawahl 2014 gewann die AfD ein überregionales Mandat und zog in die Landesparlamente Sachsen, Brandenburg und Thüringen ein. Im Jahre 2015 bekam die AfD überdies Stadtparlamente in Hamburg und Bremen. Es reicht also nicht, diese Leute zu ignorieren oder sie mit einem Achselzucken als braun-blaue Deppen abzutun. Dazu sind diese Propagandisten zu gefährlich.

 

Die AfD zum Thema Familie:

AfD-Chefin Frauke Petry will das »Schrumpfen als deutsches Volk« verhindern, indem Eltern drei Kinder bekommen (müssen). Um dieses Wunschbild einer deutschen Familie zu etablieren, will die AfD »(…) auf die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einwirken und nicht zuletzt auch im Bildungsbereich Anstrengungen unternehmen, damit Ehe und Familie positiv dargestellt werden.« (Wahlprogramm BaWü, Seite 29).

 

Die AfD zum Thema Frauen und sexuelle Minderheiten:

»(…) Frauenquoten, Gleichstellungsbeauftragte und staatliche Propaganda für sexuelle Minderheiten lehnt die AfD rigoros ab.« (Wahlprogramm BaWü, Seite 6). Zudem fordert die AfD eine Volkabstimmung zum Verbot von Abtreibungen, denn: »Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen«, so Frauke Petry im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung.

 

Die AfD zum Thema Homosexualität und Transgender:

»Schulbücher, welche die Familie relativieren und zugleich gesellschaftlich kaum relevante Konstellationen (LSBTTIQ) überhöhen, sollen für den Gebrauch an öffentlichen Schulen nicht zugelassen werden.« (Wahlprogramm AfD BaWü 2016, Seite 30). Sexdarstellungen und Informationen zu Sexpraktiken sollen komplett aus dem Unterricht gestrichen werden. Die Thüringer Landtagsfraktion forderte außerdem eine Zählung (!!!) aller Homosexuellen im Land.

 

Die AfD zum Thema Flüchtlinge:

Die AfD Baden-Württemberg behauptet, Bundeskanzlerin Angela Merkel locke »Hunderte Millionen Armutsflüchtlinge nach Deutschland.« (AfD-Wahlprogramm BaWü, Seite 19). AFD-Vizechef Alexander Gauland fordert im Zeitmagazin: »Wir müssen die Grenzen dicht machen und dann die grausamen Bilder aushalten«, man könne sich nicht von Kinderaugen erpressen lassen. Schließlich würde man auch einen Wasserrohrbruch abdichten …. AfD-Chefin Frauke Petry wollte deutsche Grenzen notfalls sogar mit Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge schützen. Und AfD-Vizin Beatrix von Storch legte locker-flockig noch einen drauf, indem sie zunächst auch auf Frauen mit Kindern schießen lassen wollte, dies dann aber auf Frauen und Männer »beschränkte«.

 

Die AfD zum Thema Bildung:

Die AfD in Sachsen-Anhalt will die »Lehrpläne überarbeiten« und dass im Schulunterricht weniger über die Nazi-Zeit geredet wird: »Eine einseitige Konzentration auf zwölf Unglücksjahre unserer Geschichte verstellt den Blick auf Jahrhunderte, in denen eine einzigartige Substanz an Kultur und staatlicher Ordnung aufgebaut wurde.« (Wahlprogramm Sachsen-Anhalt, Seite 1). Darüber hinaus soll wieder mehr preußische Disziplin in die Schulen einziehen: »Neben grundlegenden Kulturtechniken müssen deshalb ebenso die klassisch preußischen Tugenden Geradlinigkeit, Gerechtigkeitssinn, Ehrlichkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Fleiß und Pflichtbewusstsein vermittelt werden. Um solche Tugenden zu vermitteln, bedarf es Autorität, weshalb die Stellung des Lehrers auch und gerade schulrechtlich zu stärken ist.« (Wahlprogramm Sachsen-Anhalt, Seite 14).

 

Die AfD zum Thema Kultur:

»Museen, Orchester und Theater sind in der Pflicht, einen positiven Bezug zur eigenen Heimat zu fördern. Die Bühnen des Landes Sachsen-Anhalt sollen neben den großen klassischen internationalen Werken stets auch klassische deutsche Stücke spielen und sie so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen.« (Wahlprogramm AfD Sachsen-Anhalt, Seite 24).

 

Die AfD zum Thema Umwelt:

Die AfD Rheinland-Pfalz fordert ein sofortiges Ende des Erneuerbare-Energien-Gesetzes EEG (Wahlprogramm AfD Rheinland-Pfalz, Seite 9): »In Deutschland geschürte Ängste vor Treibhausgasen und vor der Kernenergie führten und führen zur einseitigen Bevorzugung der sogenannten Erneuerbaren Energien«, so die AfD Baden-Württemberg (Wahlprogramm BaWü, Seite 47). Im Wahlprogramm heißt es außerdem: »Aufgrund der deutschen Ausstiegsbeschlüsse befindet sich die gesamte Kernkraft-Branche hierzulande in Selbstauflösung. Baden-Württemberg braucht Kompetenz in Kerntechnik, denn Kerntechnik wird von der Medizin über die Energieerzeugung bis hin in die Industrie vielfältig genutzt. Durch die gesetzlich vorgesehenen Abschalttermine wurden den Betreibern und Zulieferern alle Zukunftsoptionen genommen. (…) Mit den Abschaltungen werden das Wissen und die Infrastruktur der Kerntechnik in Deutschland zerschlagen. Bei einer sich ab 2018 abzeichnenden Stromlücke kann dann nicht mehr auf die Kernkraftwerke zurückgegriffen werden.« (Wahlprogramm BaWü, Seite 48).

 

Die AfD zum Thema Mindestlohn:

»Wir sind gegen einen gesetzlich festgelegten allgemeinen Mindestlohn«, so AfD-Chefin Frauke Petry im Interview mit der Thüringischen Landeszeitung. Nach Ansicht der AfD könne der Mindestlohn keine verlässliche soziale Absicherung für Geringverdiener leisten (…), da viele Menschen in prekären Arbeitsmarktsituationen nur wenige Stunden Arbeit haben. Zudem sind diese Arbeitsplätze gerade durch den Mindestlohn gefährdet.« (Europawahlprogramm der AfD 2014, Seite 14).

 

Die AfD zum Thema Hartz IV:

Die AfD in Baden-Württemberg möchte Hartz IV durch sogenannte »Bürgerarbeit« ersetzen: »(…) Bürgerarbeit soll rund 30 Wochenstunden umfassen und mit etwa 1 000 Euro monatlich sozialversicherungspflichtig entlohnt werden.« (AfD BaWü, Wahlprogramm Seite 27).

 

Die AfD zum Thema Steuern:

Die AfD plant eine Steuerreform – eine sogenannte »Flat Tax«: »Unser Konzept ist angelehnt an die Ideen von Paul Kirchhof«, so AfD-Chefin Frauke Petry (AfD-Bundestagswahlprogramm 2013, Seite 2). In dem Kirchhoff-Modell sollen alle die gleiche Einkommensteuer von rund 25 Prozent bezahlen. Ganz egal ob einfache Krankenschwester oder schwerreicher Millionär.

 

Die Bundestagswahl 2017 ist die Reichstagswahl 1930:

Mich erinnert die AfD ganz übel an die NSDAP. Die anfangs auch keiner so wirklich ernst genommen hat. Bis es dann zu spät war. Bei den Reichstagswahlen am 14. September 1930 wurde die NSDAP mit 18,3 Prozent der abgegebenen Stimmen zweitstärkste Partei hinter der SPD. Der Anfang vom Ende. Der Rest ist Geschichte. Aktuell schließen Politikwissenschaftler einen »Wahlsieg« der AfD von mehr als 15 Prozent nicht aus. Und auch, wenn alle Parteien, die Chancen auf den Einzug in den Bundestag haben, eine Koalition mit der AfD offfiziell ausschließen, wäre diese damit immer noch die stärkste Oppositionspartei. Damit könnte sie viel Unruhe in das politische und somit unser aller Leben bringen. Wollen wir das wirklich haben? Nein!

 

Was kannst du tun, um unsere Demokratie zu sichern?

Ich werde dir nicht sagen, welche Partei(en) du bei der morgigen Bundestagswahl wählen sollst. Wir alle haben unsere eigenen Gründe, warum uns eine Partei mehr oder weniger zusagt. Das ist ja das Schöne in unserem Land: Jeder hat das Recht, die Partei zu wählen, die ihm am sympathischsten ist. Aber ein paar Tipps zur Entscheidungsfindung kann ich dir dennoch mit auf den Weg geben. Jede Partei hat ein Parteiprogramm. Hier findest du zum Beispiel die Wahlprogramme von → SPD, → CDU, → Grünen, → FDP, der → LINKEN oder der → V-Partei³. Bei der Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg gibt es darüber hinaus eine → Übersicht über alle Wahlprogramme der beteiligten Parteien.

Sehr praktisch für alle Unentschlossenen bei der Bundestagswahl 2017 ist auch der → Wahl-O-Mat. Immerhin 32 von 33 Parteien haben die Wahl-O-Mat-Thesen beantwortet. Jetzt bist du an der Reihe: Vergleiche deine politischen Standpunkte mit den Antworten der Parteien! Das weltweite Kampagnen-Netzwerk Avaaz hat ebenfalls etwas für Unentschlossene zu bieten: ein → Taktisch-Wählen-Tool, das dir bei deiner Entscheidung hilft, die für dich richtige Wahl zu treffen.

 

Wahl-O-Mat - Bundestagswahl 2017

 

Bananenschneckerls Resümee:

Bei der morgigen Bundestagswahl die richtige Wahl zu treffen, ist gar nicht so einfach. Ich weiß. Vielleicht gehörst auch du zu denen, die sich von den etablierten Parteien im Stich gelassen fühlen. Doch das ist kein Grund, nicht wählen zu gehen oder deine Stimme gar der AfD zu geben. Jede Stimme zählt. Deine Stimme zählt! Denn umso mehr Menschen ihre Stimme taktisch einsetzen, desto wahrscheinlicher bekommen wir eine Politik, die für unsere Werte und Hoffnungen einsteht. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (Solidarität) sollten dabei unsere politischen Leitideen sein, die unser Denken und Handeln bestimmen. Für ein Deutschland, in dem sich alle sicher und geborgen fühlen.

Wenn die AfD morgen gewinnt, verlieren über 90 Prozent meiner Freunde. Alleinerziehende Mütter und Väter. Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund (ich hasse dieses Wort!). Schwule, Lesben. Bisexuelle. Transgender. Einhörner. Bunte Wesen. All die wunderbaren Menschen, die mein Mann und ich während unserer ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit kennenlernen durften. Arbeitsuchende (auch so ein Wort, das ich unmöglich finde!). Fest steht: Die unveräußerliche Würde und Autonomie des Menschen ist unantastbar. Und so sollte es auch bleiben. Mit der AfD wird das bedauerlicherweise nicht funktionieren. Ein Wahlsieg der AfD ist das Ende der Demokratie, wie wir sie kennen und schätzen.

Eines darfst du bitte nicht vergessen: Die Bundestagswahl 2017 ist keine Pflicht. Denn → demokratische Wahlen sind ein verpflichtendes Privileg. Ein Privileg, das viele Menschen in anderen Ländern nicht genießen dürfen. Also nutze dieses Privileg und geh wählen! Abschließend möchte ich von dir gern wissen, ob du wählen gehst und was du dir (politisch) von der Zukunft erhoffst. Ich freue mich wie immer über deinen Kommentar und wünsche uns allen einen schönen Wahlsonntag!

XOXO

Sissi

 

Comments
5 Responses to “#BloggerfuerBTW – Geh wählen!”
  1. Ich habe gewählt, aber nicht die AfD! 😉 LG Katrin

  2. Ju sagt:

    Ich wohne in Neuseeland und hab mich leider zu spät um meine Briefwahl gekümmert, da könnt ich mir selber in den Hintern für treten… Denn auch mir macht die Beliebtheit der AFD Sorge und Angst. Ich bin in Gedanken in Deutschland und applaudiere diesen Blogartikel

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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

Ihr zur Seite steht ein erfahrenes Team von Autoren, die sich im Blog ebenfalls regelmäßig zu Wort melden. Schau am besten öfter mal bei uns vorbei!