Mein Traum vom Rad - Part I

Mein Traum vom Rad – Part I

Schon lange wünsche ich mir wieder ein eigenes Rad. Irgendwie hat es bislang nicht geklappt. Sei es, dass ich beim Stöbern in den Kleinanzeigen nicht fündig geworden bin, sei es, weil sich die ausgesuchten Schätzchen vor Ort als rostige Drahtesel entpuppten. Es ist unglaublich, für welchen Müll manche Menschen noch Geld verlangen! Einige der Räder, die ich mir in der letzten Zeit angesehen habe, waren absolut nicht mehr verkehrstauglich, sollten aber 399 Euro und mehr kosten. Gibt es solche Deppen eigentlich nur in München oder auch anderenorts?

Wie dem auch sei: Ein neues Fahrrad wollte ich mir auch nicht kaufen. Nicht, weil das nicht »drin« ist, sondern weil es unvernünftig wäre. Immerhin stehen in diesem Jahr im Schneckenhaus noch einige Reparaturen und Renovierungen an. Nicht zuletzt ist Konsumrausch nicht mein Ding. Das klingt vielleicht seltsam, wenn es aus dem Mund einer Lifestylebloggerin kommt. Ich aber denke, dass das Wort Lifestyle in den letzten Jahren von den einschlägigen Magazinen und Medien umgedeutet und damit abgewertet wurde. Lifestyle, also Lebensstil, bedeutet nichts anderes als die charakteristische Art und Weise, das Leben zu gestalten. Und nicht etwa Glamour, Glanz und Gloria! Mir jedenfalls macht das Upcycling gebrauchter Gegenstände mehr Spaß als das Zusammenraffen immer neuer Dinge. Denn alte Gegenstände haben eine eigene Geschichte.

 

Mit einem Rad könnte ich öfter mit dem Schokoschnegel zum Picknick fahren

Mit einem Rad könnte ich öfter mit dem Schokoschnegel zum Picknick fahren

 

Hilfe ist unterwegs! Oder auch nicht …

Wie es aussieht, bekomme ich nun ein Rad mit einer ganz besonderen Geschichte – das alte Rad meiner Mutter. Meine Eltern haben sich nämlich in dieser Woche E-Bikes gegönnt. Sehr vernünftig in ihrem Alter! Anstatt den Radsport aufgrund von altersbedingten Zipperlein aufzugeben, satteln sie einfach um. Pfiffig, oder? Und was haben sie sich für schöne Modelle ausgesucht … Meine Mutter radelt nun stolz auf einem FLYER B5R in schickem Schwarz durch die Welt, während mein Vater auf seinem ebenfalls schwarzen PEGASUS Premio E8R-400 neben ihr hersaust. Ich hoffe sehr, dass die beiden ihre neuen Pedelecs (von Pedal Electric Cycles) bei ihrem nächsten Besuch in München mitbringen. Dann gibt es auf jeden Fall einen Testbericht! Ansonsten musst du dich gedulden, bis ich mal wieder in meiner alten Heimat bin.

Jetzt freue ich mich aber erst einmal – vorsichtig – auf mein »neues altes« Rad. Es ist ein GIANT Comfort 7, also ein schon älteres Modell, das längst nicht mehr hergestellt wird. Ich bin vor meinem Umzug nach München oft damit gefahren und kenne es in- und auswendig. Das hilft sicherlich auch bei den notwendigen Reparaturen. Laut meinen Eltern muss ich auf jeden Fall die Bremsen und die Gangschaltung durchchecken. Zur Seite stehen mir dabei zum Glück ein erfahrener Radlbauer und der Schokoschnegel. Zu dritt sollten wir das schon hinbekommen! Was mir hingegen Sorgen macht, ist der Transport. Wir haben uns entschieden, das Rad via Hermes Germany GmbH zu verschicken. Das kostet pro Rad 39,99 Euro zuzüglich 5,89 Euro für eine optionale Fahrradverpackung. Das sollte eigentlich klappen. Dachte ich. Denn während ich diese Zeilen schreibe, spielte sich in meiner alten Heimat ein kleines Drama ab …

 

#hermesfail:

Normalerweise habe ich ja keine allzu schlechten Erfahrungen mit Hermes. Einige der Fahrer können sehr unhöflich sein, aber mei, dann bin ich halt immer extrafreundlich. In der Hoffnung, damit ein bisserl Selbsterkenntnis zu wecken. Doch was heute passiert (ist), schlägt dem Fass den Boden aus: Bestellt war die Abholung für heute. Der Fahrer sollte zwischen 8:00 und 18:00 Uhr kommen und zwei Räder abholen. Ohnehin schon ein sehr ausgedehnter Zeitraum … Aber da kann man nichts machen! Meine Eltern übten sich also in Geduld, das können sie gut. Als mein Vater jedoch am Vormittag zufällig aus dem Fenster blickte, sah er den Hermes-Fahrer, der gerade wieder in seinen Wagen steigen wollte. Ohne vorher geläutet zu haben! Mein Vater rast also in einem Tempo die Treppe hinunter, die für einen »Best Ager« kaum angemessen ist. Mit Erfolg: Er erwischt den Fahrer gerade noch und spricht diesen auf die angekündigte Abholung an. Antwort: »Da geht nix mehr, der Wagen ist voll, 156 Pakete.« Sprachs, riss die Wagentür auf, zeigte meinem Vater das Innere des überfüllten Wagens und wollte von dannen fahren. Das ließ mein Vater natürlich nicht so im Raum stehen. Zwischen den beiden Männern entwickelte sich folgender Dialog:

Mein Vater: »Ja, und was ist nun mit der Abholung?«

Fahrer: »Ich komme zwischen 16:00 und 18:00 Uhr wieder.« (Wer’s glaubt …)

Mein Vater: »Ist das zuverlässig? Morgen haben wir einen Termin.«

Fahrer: »Egal, wenn Sie nicht da sind, geben Sie einfach Nachbarn das Geld und stellen die Räder vor das Haus.« (Und die Nachbarn packen die Radl auch ein oder wie?)

Ne, ist klar! Wenn ich mir überdies online die Sendungsverfolgung ansehe, werden mir für die entsprechende Auftragsnummer zwei verschiedene Statusmeldungen angezeigt:

1. »Die Abholung wird durchgeführt.«
2. »Transport zum Verteilzentrum.«

Das ist Kompetenz, die begeistert! Mir ist durchaus bewusst, dass Irren menschlich ist. Unhöflichkeit und Unzuverlässigkeit auch? Ich bin gespannt, wie dieses leidige Abenteuer weitergeht. Fortsetzung folgt.

 

Die Spezifikationen meines GIANT Comfort 7:

So mein Rad mich denn in einigen Tagen erreicht, wird es eine liebevolle Rundumerneuerung erfahren. Aktuell ist es in einem metallisch schimmernden Blauton lackiert. Ganz hübsch, aber nicht mein Stil. Ich liebäugele damit, es schwarz oder weiß zu lackieren. Mal gucken. Erst einmal muss es ja hier ankommen. Folgende technische Spezifikationen warten dann auf mich:

  • Aluminiumrahmen mit Hinterbaudämpfung
  • 28 Zoll
  • RST 801 Federgabel
  • verstellbarer Vorbau
  • Shimano Nexus Bremshebel
  • Shimano Acera Bremsen
  • Shimano Naben
  • Suntour XR-180 Kurbelgarnitur
  • Shimano Nexus Drehgriff
  • Shimano 7-Gang-Nabenschaltung mit Rücktrittbremse
  • Shimano Acera Umwerfer
  • Selle Royale Sattel (obwohl der, glaube ich, schon ausgetauscht wurde)

 

Warum ich mir mein Rad nicht erbloggt habe:

Eine Freundin fragte mich unlängst ganz unschuldig, warum ich mir mein Rad nicht erbloggt hätte. Nun, das ist zum Einen gar nicht so einfach. Zum Anderen hätte ich mich dabei nicht gut gefühlt: Ich habe – anders als der Schokoschnegel, der früher sogar Downhill-Rennen gefahren ist – nicht wirklich viel Ahnung von Fahrrädern. Die heutzutage je eh nur noch »Bikes« heißen. Und so wäre ich mir unlauter vorgekommen, über etwas zu schreiben, von dem ich nur wenig verstehe. Beispielsweise musste ich eben erst einmal Tante Google befragen, was ein »Umwerfer« ist. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein praktisches Fahrradzubehör, mit dem du auf dem Radweg wandernde Passanten umwerfen kannst, sondern um ein Schaltwerk. Vielleicht lachst du jetzt über mich, weil du das schon wusstest. Aber für mich ist das Neuland. Doch das wird sich ja nun bald ändern, sobald ich an meinem Rad herumschraube.

 

So wird mein Rad vielleicht einmal aussehen:

Weiße Räder haben es mir im Moment besonders angetan

Weiße Räder haben es mir im Moment besonders angetan

 

Ein schöner Fahrradkorb gehört auf jeden Fall dazu

Ein schöner Fahrradkorb gehört auf jeden Fall dazu

 

Oder doch lieber eine stabile, geräumige Kiste?

Oder doch lieber eine stabile, geräumige Kiste?

 

Dann könnte ich mit meinen Blümchen spazieren fahren ...

Dann könnte ich mit meinen Blümchen spazieren fahren …

 

So ein Sattel könnte mir auch gefallen

So ein Sattel könnte mir auch gefallen

 

Bananenschneckerls Resümee:

Beim Radfahren geht alles um Freiheit und Selbstvertrauen. Ich werde mir daher eine mobile »Werkstatt« in Form eines Multi-Tools und anderer technischer Kleinigkeiten zusammenstellen und mich dann mutig an die Umgestaltung meines Rades machen. Damit ich anschließend die Freiheit in der schönen Münchner Umgebung genießen kann. Geschwindigkeit, ich komme! Und wer weiß? Vielleicht gibt es ja sogar irgendwann eine Serie »pimp my bike« im Blogzine? Mein erstes Rad war übrigens ein postgelbes Klapprad, das ich sehr geliebt habe. Wie ist es mit dir: Fährst du gern Rad? Was für ein Rad fährst du? Ich freue mich wie immer über deinen Kommentar und wünsche dir allzeit genug Luft in den Reifen!

XOXO

Sissi

[Artikelbild: Darius Soodmand // Charmanten Einladungen soll man nicht wiederstehen. Daher ist dieser Artikel ein Beitrag zu Julias schöner Blogparade → »I want to ride my bicycle«. Bis zum 31. Dezember 2017 kannst auch du noch daran teilnehmen. Danke für diese tolle Idee, liebe Julia!]

Comments
9 Responses to “Mein Traum vom Rad – Part I”
  1. Martina sagt:

    Hallo Sissi,

    ich drücke die ganz fest die Daumen, daß dein Fahrrad gut ankommt und du viel Freude damit hast.

    Schönes Wochenende!

    Martina

  2. Hallo Sissi,

    ich drück Dir fest die Daumen 🙂 Früher musste ich arbeitsbedingt sehr viel mit dem Fahrrad fahren 😛 …

    LG Katrin

  3. Julia sagt:

    Liebe Sissi,

    wie witzig, dass du ausgerechnet jetzt übers Radfahren schreibst! Auch ich habe dazu erst letzte Woche einen Beitrag veröffentlicht – und zwar den AUfruf zu einer Blogparade. Vielleicht magst du mit deinem Beitrag daran teilnehmen? Würde mich freuen, da er perfekt passt! Denn so ist es eben mit den Fahrradgeschichten: Die laufen selten schnurstraks geradeaus, sondern eher querfeldein – so hat man als Radfahrer wirklich immer etwas zu erzählen 😉 Geht mir jedenfalls so und ich fahre jeden Tag mit viel Freude.

    Ganz liebe Grüße

    Julia

    • Liebe Julia,

      vielen Dank für die Einladung, die ich von Herzen gern angenommen habe. Ich wünsche dir für deine Blogparade viel Erfolg und bin schon sehr gespannt auf die anderen Beiträge.

      XOXO

      Sissi

      • Julia sagt:

        Liebe Sissi,

        auch an dieser Stelle noch mal ganz herzlichen Dank fürs Mitmachen. Die Geschichte passt einfach so gut zu all den Eskapaden, die in den nächsten Wochen noch auf meinem Blog zu lesen sein werden 😉 Ich drücke dir die Däumchen, dass mit deinem neuen alten Rad nun alles gut wird!

        Ganz liebe Grüße

        Julia

  4. Perdita sagt:

    Früher bin ich viel Rad gefahren. Heute besitze ich keins mehr. Hier im Dorf erreiche ich alles zu Fuß. Ich könnte es auch gar nicht unterbringen – wir haben keinen Keller oder ähnliches.

    LG Perdita

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  1. […] Blogparade zum Thema Fahrrad teilgenommen. Und bin dabei über den ganz wunderbaren Artikel beim Bananenschneckerl […]



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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

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