Saving Grace. Bis dein Tod uns scheidet

Saving Grace. Bis dein Tod uns scheidet

Am Wochenende musste ich mich regelrecht an den Rechner zwingen. Nicht etwa, weil ich krank war oder keine Lust zum Bloggen hatte. Oh nein! Schuld war einzig und allein der im November 2016 bei Blanvalet erschienene Psychothriller »Saving Grace. Bis dein Tod uns scheidet« von B. A. Paris (Originaltitel: Behind Closed Doors). Du kennst die Autorin nicht? Kein Wunder: Ich bis dato auch nicht, der Roman ist ihr Erstlingswerk. Wie du weißt, liebe ich Thriller, insbesondere Psychothriller, und habe stets großes Vergnügen daran, neue Autoren zu entdecken. Natürlich bin ich dabei auch schon auf die Lesenase geflogen, aber bei den Nachwuchsautoren von Blanvelet wurde ich bislang noch nie enttäuscht. So auch diesmal nicht.

Bereits der Klappentext des handlichen Taschenbuches macht mehr als deutlich, dass in der Ehe von Grace und Jack Angel etwas nicht stimmt. Nicht stimmen kann, denn so viel Perfektion ist weder menschlich noch natürlich. Spontan kam mir Ira Levins Roman »Die Frauen von Stepford« (Originaltitel: The Stepford Wives) aus dem Jahre 1972 in den Sinn, in dem die Ehefrauen im Wohnkomplex Stepford, einer Gated Community, in Cyborgs verwandelt werden und durch Microchips in ihren Gehirnen wie Roboter steuerbar sind – eine »perfekte« kleine Welt, in der die Frauchen brav ihre traditionelle Rolle einnehmen. Der Gedanke, dass es sich hier um einen ähnlichen Plot handeln könnte, reizte mich sehr. Eigentlich hatte ich mir aber schon ein anderes Buch ausgeguckt und so haderte ich noch mit mir. Den Ausschlag gab dann das attraktive Cover: Die weiße, abblätternde Tür, deren Klinke ein vertrockneter Rosenstrauß am Seil schmückt, übte eine herrlich morbide Faszination auf mich aus und ließ meine Fantasie finstere Kapriolen schlagen …

 

»Sie werden beim Lesen die ganze Zeit Puls haben! Das ist so intensiv, so pur bis zur letzten Zeile. Keine überflüssigen Dialoge. Extrem clever konstruiert, mit einer beängstigend cleveren Hauptfigur. Es gibt Stellen, da sehen Sie Hannibal Lecter aus dem Schweigen der Lämmer vor sich. So böse, so abgrundtief fies ist das. Und dann ist die Schlüsselfigur des ganzen Romans auch noch George Clooney. Kein Scherz.«

(Christian Beisenherz/WDR 2 Krimitipp)

 

Klappentext: Niemand glaubt dir. Niemand hilft dir. Du gehörst ihm …

»Grace und Jack Angel sind das perfekte Paar. Die dreiunddreißigjährige Grace ist warmherzig, liebevoll, bildhübsch. Jack sieht gut aus, ist charmant und kämpft als renommierter Anwalt für die Rechte misshandelter Frauen. Aber sollte man Perfektion jemals trauen? Warum zum Beispiel kann Grace auf Dinnerpartys so viel essen und nimmt doch niemals zu? Warum umgibt ein hoher Zaun Jacks und Graces wunderschönes Haus? Doch wenn man Grace danach fragen möchte, stellt man fest, dass sie nie allein ist. Denn Jack ist immer – wirklich immer – an ihrer Seite …«

 

Die Autorin:

B. A. Paris wuchs in England auf, hat jedoch den Großteil ihres Erwachsenenlebens in Frankreich verbracht. Sie arbeitete in der Finanzbranche und als Lehrerin. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren fünf Töchtern lebt sie auch heute noch in Frankreich. »Saving Grace. Bis dein Tod uns scheidet« ist ihr erster Roman.

 

B. A. Paris - Bild: privat

 

Was darfst du vom Buch erwarten? Vorsicht: Spoileralarm!

Du ahnst es sicher schon: Jack Angel ist ein Psychopath. Und zwar keiner von der Sorte, dem man trotz aller Gräueltaten dann doch irgendwie widerwillig-barmherzig den Kopf tätscheln kann, weil er selbst als Kind ein Opfer war. Mitleid? Fehlanzeige! Weder bei ihm, dem Täter, noch bei mir, dem Leser. Denn Jack, der nach außen als Retter misshandelter Frauen auftritt, blüht hinter verschlossenen Türen auf, wenn er die Angst von Frauen riecht. Sie sehen, hören, schmecken, fühlen kann. Böse Saat, geboren, um Schwächere zu quälen. So dient auch die Eheschließung mit Grace lediglich dem Zweck, sie in seine Gewalt zu bekommen. Und nicht nur sie allein. Auch ihre kleine behinderte Schwester Millie will Jack in die Finger bekommen, sobald sie mit 18 das Internat verlassen muss. Für Grace beginnt mit ihrer Gefangenschaft ein Wettlauf gegen die Zeit …

Die Geschichte spielt in zwei Zeitsträngen: der Gegenwart, in welcher wir hautnah mit Graces Martyrium konfrontiert werden, in ihrem Kopf stecken, durch ihre Augen blicken, und der Vergangenheit, in der Grace erzählt, wie sie Jack kennen-, lieben- und schließlich fürchten lernte. Durch das Spiel mit den beiden Zeitebenen aus Graces Perspektive wirkt die Erzählung unglaublich echt und lebensnah. So, als sei sie einer lieben Freundin geschehen. Das macht es beim Lesen umso nervenzerreißender, wenn wir miterleben müssen, wie aus einer verliebten Braut zunächst eine verunsicherte, verzweifelte junge Frau und schließlich ein fortwährend psychisch und physisch gedemütigtes Opfer wird. Schon auf den ersten 23 Seiten baut sich eine dermaßen intensive Beklemmung auf, dass ich streckenweise das Atmen einstellte. Und das, obwohl sich die Szene im Wohnzimmer der Angels abspielt, während Freunde zu Besuch sind.

Diese Beklemmung steigert sich von Seite zu Seite, von Kapitel zu Kapitel. Jeglicher Fluchtversuch von Grace wird gnadenlos bestraft. Zuerst darf sie ihre Schwester Millie nicht mehr an den Wochenenden im Internat besuchen und muss diese im Glauben lassen, dass sie in ihrer jungen Ehe zu glücklich ist, um sich weiter um Millie zu kümmern. Dann entzieht ihr Jack nach und nach auch alle übrigen Privilegien – vom »normalen« Zimmer über Kleidung bis hin zum Essen. Grace wird zur Marionette, an deren Fäden Jack zieht – Fäden der Angst. Ganz gleich, was Grace sich auch ausdenkt, um Jack zu überlisten: Jack ist ihr immer mindestens einen Schritt voraus. Zwischendurch weckt er immer wieder Graces Hoffnung auf einen guten Ausgang der Geschichte. Ein besonders perfides Spiel und Jack spielt es in Perfektion. Es scheint weder für Grace noch für Millie einen Ausweg zu geben. Bis potenzielle Rettung von völlig unerwarteter Seite naht …

 

Saving Grace. Bis dein Tod uns scheidet - Bild: Blanvalet

 

Buchinformationen:

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum: 21. November 2016
Sprache: Deutsch
Format: 12 x 3,1 x 19 Zentimeter
ISBN-10: 3734102634
ISBN-13: 978-3734102639
Preis: 9,99 Euro (Kindle Edition: 8,99 Euro)

 

Bananenschneckerls Resümee:

Mit ihrem Debütroman »Saving Grace. Bis dein Tod uns scheidet« ist es B. A. Paris gelungen, mich von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Ihr Erzählstil ist flott und flüssig, der Spannungsbogen geschickt aufgebaut. Immer wenn wir denken, dass es nicht mehr schlimmer werden kann, zieht die Autorin die emotionalen Daumenschrauben enger. Dabei verzichtet sie konsequent auf blutige Gewaltszenen. Der Horror ist psychischer Natur, subtil und unterschwellig, wie es sich für einen klassischen Psychothriller gehört.

Bei aller Begeisterung habe ich drei kleine Kritikpunkte: 1. Die Information, dass Millie nicht nur vom Down-Syndrom betroffen ist, sondern auch noch an weiteren Behinderungen leidet, kommt zu spät und wird auch nicht näher erläutert. Im Buch ist Millie 17, spricht aber viel zu kindlich für ihr Alter. Hier hätte ein bisserl persönliche (!) Recherche Autorin und Lektorat gewiss gut getan. 2. Wann immer ein Hund in einem Psychothriler oder Horrorfilm auftaucht, weiß der Kenner des Genres sofort, dass dieser in Kürze elendiglich sterben wird. Muss das sein? Dieser Drops ist schon seit langer, langer Zeit gelutscht. Zwar funktioniert der Horror trotz seiner Vorhersehbarkeit, aber ich als Tierfreundin könnte getrost darauf verzichten. 3. Das Ende kommt mir persönlich zu schnell. Ich habe nichts gegen einen temporeichen Roman, aber hier wird auf den letzten Seiten vom Trab plötzlich in den Galopp gewechselt. Das wirkt auf mich ein wenig so, als sei die Autorin froh gewesen, endlich fertig zu werden … Tiefere Einblicke in Graces Gedanken hätten dies verhindern können und die Figur abgerundet. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau! Insgesamt finde ich den den Roman für einen Erstling bemerkenswert und bin schon gespannt auf weitere Erzählungen aus der Feder der → Autorin.

Magst du subtile Psychothriller wie diesen auch so sehr wie ich? Dann kannst du den Roman »Saving Grace. Bis dein Tod uns scheidet« von B. A. Paris bei deinem lokalen Buchhändler kaufen oder bei Online-Buchhändlern wie Amazon → bestellen (Affiliate Link). Ich bin gespannt auf deine Leseerfahrung und freue mich wie immer über deinen Kommentar!

XOXO

Sissi

[Transparenz: Das Taschenbuch »Saving Grace. Bis dein Tod uns scheidet« von B. A. Paris wurde uns als kostenloses Rezensionsexemplar von → Blanvalet zur Verfügung gestellt.]

Comments
4 Responses to “Saving Grace. Bis dein Tod uns scheidet”
  1. Zum Down Syndrom muss ich eines sagen. Es ist keine Erkrankung 😉 sondern einfach ein Gendeffekt, der sich total unterschiedlich auswirkt. Und ist es wirklich wichtig für das Buch? Also ich erzähle auch nicht als erstes, dass meine Tochter Jolina das Down Syndrom hat, es ist nichts was sie als erstes ausmacht und als total erwähnenswert erscheint. Vielleicht hat die Autorin, sogar persönlich(!) doch etwas besser recherchiert.
    Ansosnsten tolle Zusammenfassung und ich bin hier gelandet, weil ich einen Suchdienst hat, der mir Artikel mit Down Syndrom im text findet 😉
    Liebe Grüße
    von Bloggerin an Bloggerin

    • Liebe Martina,

      schön, dass du mithilfe deines Suchdienstes bei uns im Blogzine gelandet bist! Die Tatsache, dass Millie vom Down-Syndrom betroffen ist, hat eine große Bedeutung für den Plot. Warum, wollte ich hier nur nicht erzählen, um nicht allzu sehr zu spoilern. 😉

      Leider zeichnet die Autorin Millie nicht so, wie ich Menschen mit Down-Syndrom während meines ehrenamtlichen Engagements in der Offenen Behindertenarbeit (OBA) erlebt habe und wird ihr nicht gerecht. Wir erfahren zwar, dass Millie auch noch andere Behinderungen mit auf ihren Lebensweg bekommen hat, nicht aber, welche dies sind. Dies führte bei mir zu Irritationen und daher zu meiner Kritik.

      XOXO

      Sissi

  2. Hallo Sissi,

    ich finde das Cover schon mal total schön und es macht Lust auf mehr … Danke, für die Vorstellung!

    LG und schönen Abend

    Katrin

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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

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