Von Recken und Ruten ... - Bild: Unsplash/Pixabay

Von Recken und Ruten …

Heute feiern wir den Nikolaustag. Das weiß jedes Kind. Schließlich gehört der Nikolaus zur Vorweihnachtszeit wie die Kerzen zum Adventskranz. Und weil er (oder seine Stellvertreter auf Erden) den meisten von uns Naschwerk und allerlei andere kleine Gaben in die Stiefel steckt, wird der heilige Mann oft mit dem Weihnachtsmann verwechselt. Irgendwie unfair, oder? Denn während »Santa« nur ein erfundener Geschenkebringer in Rot ist, hat es Nikolaus von Myra tatsächlich gegeben. Um sein Leben ranken sich zahlreiche Legenden. Eine ist sagenhafter als die andere und die meisten gehören sicherlich ins Reich der Fantasie.

Dennoch finde ich es wichtig, sich mit der Herkunft des Nikolaustages zu beschäftigen: So manch ein irregeleiteter Mensch in Deutschland hat Angst vor »Überfremdung« oder dem »Untergang des Abendlandes«, weiß selbst aber so gut wie nichts über unsere christlich-abendländischen Traditionen. Ziemlich peinlich! Dabei sind viele dieser Brauchtümer und Traditionen sogar spannend und unterhaltsam. Ich zumindest erinnere mich gern an die Geschichten meiner Kindheit. Eine Zeitlang hatte ich eine Phase, während der ich mit großer Leidenschaft in Sagenbüchern aus aller Herren Länder geschmökert habe. Dadurch konnte ich eine Menge über andere Kulturen lernen und erstaunlich viele Ähnlichkeiten entdecken. Wir Menschen sind gar nicht so verschieden, wie einige glauben! Das beste Beispiel ist vermutlich die Schöpfungsgeschichte, die sich in den meisten Kulturen doch sehr ähnelt. Aber dazu ein andermal mehr.

Zu meinem Bedauern »parken« heutzutage viel zu viele Eltern ihre Kinder lieber vor der Spielekonsole oder dem Fernseher, als ihnen vorzulesen oder sie mit Büchern zu versorgen. Wie schade! Verlangt die kindliche Seele doch ebenso nach Nahrung wie der Körper. Und womit könnte man die Seele besser füttern als mit einer guten Geschichte? Keine Angst, ich will hier jetzt gar keine wilden Hetzreden gegen den knisternd verpackten Maschinenpark aus Kommunikationsgeräten führen, der auch in diesem Jahr wieder bei den meisten unter dem Weihnachtsbaum liegen wird. Aber ich möchte daran erinnern, dass es mehr auf dieser Welt gibt, als das neueste Handy oder Tablet. Sicher, ein frühkindlicher Umgang mit Technik ist wichtig, keine Frage! Aber dabei sollten Bücher und das mündliche Geschichtenerzählen nicht zu kurz kommen.

 

Wer war der historische Nikolaus?

Genau genommen entwickelte sich der Nikolaus, wie wir ihn heute kennen, aus zwei historisch belegten Figuren: Bischof Nikolaus von Myra und Bischof Nikolaus von Sion. Die meisten Überlieferungen beziehen sich auf Nikolaus von Myra und daher stelle ich ihn auch in den Mittelpunkt. Natürlich war Nikolaus nicht schon immer ein Bischof! Geboren wurde der kleine Nikolaus als Sohn reicher Eltern zwischen 270 und 286 nach Christi in Patara, einer Stadt im kleinasiatischen Lykien, das heute zur Türkei gehört. Ha, aus heutiger Sicht war Nikolaus also ein Türke! Und nicht etwa ein Deutscher, wie zwei von drei Passanten behaupteten, die ich letzte Woche auf der Straße gefragt habe. Natürlich ist meine kleine Straßenumfrage nicht repräsentativ. Aber doch recht erschreckend. Bei meinen Fragen nach dem Christkind und dem Weihnachtsmann sah es übrigens ziemlich ähnlich aus … Aber auch dazu ein andermal mehr, die Adventszeit ist ja noch lang.

Kommen wir zurück zu Nikolaus! Der Junge soll im Alter von 16 Jahren seine Eltern verloren haben. Nur drei Jahre später wurde er von seinem Onkel Nikolaus, dem Bischof von Myra, zum Priester geweiht und kurz darauf Abt des Klosters Sion in der Nähe seines Geburtsortes. Während der Christenverfolgung im Jahre 310 wurde er gefangen genommen und gefoltert, blieb aber seinem Glauben treu. Sein ererbtes Vermögen verteilte er großzügig unter den Armen, eröffnete Waisenhäuser und richtete sogar ein Haus für alte Seeleute ein. Dies wird auch von den besser bezeugten Bischöfen des vierten Jahrhunderts Ambrosius von Mailand und Basilius von Caesarea berichtet und gilt als historische Tatsache. Als sein Onkel starb, unternahm Nikolaus eine Pilgerreise in das Heilige Land, das heutige Israel. Nach seiner Rückkehr wurde er zum neuen Bischof von Myra gewählt und machte sich durch seinen Gerechtigkeitssinn und seine Wohltätigkeit schnell einen Namen, auf dem die vielen wundertätigen → Legenden rund um seine Person beruhen.

 

Nikolaus als Schutzpatron:

Der heilige Nikolaus ist unter anderem der Schutzpatron der Russen, Kroaten und Serben sowie von Süditalien (Bari) und Lothringen. Die Legenden um ihn führten dazu, dass er von vielen weiteren Gruppen als Schutzheiliger auserwählt wurde, so von Seefahrern, Binnenschiffern, Kaufleuten, Juristen, Apothekern, Metzgern, Bäckern, Getreidehändlern, Dreschern, Pfandleihern, Schneidern, Küfern, Fuhrleuten und Salzsiedern. Nikolaus ist überdies der Patron der Schüler und Studenten, Pilger und Reisenden, Liebenden und Gebärenden, Alten, Ministranten und Kinder, aber auch von Dieben, Gefängniswärtern, Prostituierten, Gefangenen und sogar Tieren. Aus dem Schutzpatronat für die Kinder leitet sich das heutige Brauchtum ab.

 

Namensvarianten:

»Unser« Nikolaus hat viele Namen: Nikolo und Nikló (Altbayern und Österreich), St. Niklas (Österreich und Südtirol), Samichlaus oder Santiglaus (Schweiz), Zinniklos, Kleeschen (Luxemburg), Sunner Klaas oder Sunner Klaus (Norddeutschland), Sint Nicolaas oder Sinterklaas (Niederlande und Flandern), Sint Niklaas (Belgien), Saint Nicholas (England und Irland), Santa Claus (Nordamerika), San Nicola (Italien), Saint Nicolas (Frankreich), San Nicolás (Spanien), São Nicolau (Portugal und Brasilien), Sveti Nikolaj (Slowenien), Sveti Nikola (Kroatien und Serbien), Święty Mikołaj (Polen), Святой Николай/Sviatoi Nikolai (Russland), Άγιος Νικόλαος/Ájos Nikólaos (Griechenland), Szent Miklós (Ungarn), Свети Николай/Sweti Nikolay (Bulgarien und Mazedonien). Ganz schön beeindruckend, oder?

 

Bananenschneckerls Resümee:

Nikolaus von Myra war ganz offenbar ein Mensch, der die Menschen liebte. Obwohl er reich geboren war, hatte er ein Herz für die Armen. Das war weder damals selbstverständlich, noch ist es das heute. Damit ist Nikolaus ein Recke (Held, Kämpfer, Ritter) ganz nach meinem Geschmack! Wir alle sollten uns mehr um diejenigen kümmern, denen es schlechter geht als uns. Und was ist nun aus den Ruten im Titel geworden? Nun, die hat der echte Nikolaus nie gebraucht! Sie sind eine Erfindung unserer Zeit und eignen sich meiner Meinung nach nur dazu, böse Erwachsene abzustrafen – nicht aber Kinder! Und so habe ich in diesem Jahr einige Ruten gebastelt, mit Zetteln versehen und letzte Nacht in der Nachbarschaft verteilt. An Hunde- und Katzenhasser. An Menschen, die keine Kinder leiden können. Und an Menschen, die ihre Mitmenschen nicht mögen, wenn sie nicht dieselbe Hautfarbe und/oder Religion wie sie haben.

Auf die Zettel habe ich kleine Mahnworte in Form von Gedichten oder Zitaten weiser Menschen geschrieben. Das ist meine ganz persönliche Art, den Namenstag des heiligen Nikolaus zu feiern. Und daher gibt es am Nikolaustag auch kein Rezept, wie es ursprünglich vorgesehen war. Stattdessen bitte ich dich, heute einem Fremden etwas Gutes zu tun. Sei es, dass du einem Obadachlosen eine Tasse Kaffee und ein belegtes Brötchen spendierst und dich ein bisserl mit ihm unterhältst oder einer gemeinnützigen Organisation eine Spende überweist. Es gibt viele Möglichkeiten, andere Menschen glücklich zu machen! Und sage jetzt bitte nicht, dazu hättest du keine Zeit oder kein Geld! Das ist Blödsinn! Jeder von uns kann sich die Zeit nehmen und hat die Möglichkeit, das Leben eines anderen Menschen zu bereichern.

Dieser Artikel ist Teil der von Nettie und Tina organisierten Blogparade »Christmas Dreams II«. Los ging es gestern bei der lieben → Heike mit der Dekoration ihres Fake-Kamins. Morgen bummelt → Nettie mit dir über den Weihnachtsmarkt und am Donnerstag zeigt dir → Vanessa wunderschöne Weihnachtsdekorationen aus dem Erzgebirge. Seufz … Am Freitag gibt es dann zum Abschluss sogar gleich zwei Beiträge: leckeres Backwerk von → Elisa und Dosenlichter von → Sabine. Und nun bin ich neugierig: Was hattest du heute im Stiefel? Ich freue mich wie immer über deinen Kommentar!

XOXO

Sissi

 

Comments
5 Responses to “Von Recken und Ruten …”
  1. Ein sehr gelungener Beitrag, gut recherchiert und wahrhaft sinnvoll einmal über den Recken Nikolaus aufzuklären. Deine Idee mit dem Ruten an die Nachbarschaft – einfach klasse! 😀

    Liebe Grüße aus der Nachtbäckerei

    Elli

  2. Renate Kietz sagt:

    Ein wunderbarer Artikel. Ich bin da zu 100% bei Dir. Das mit dem Rute verteilen hast Du gut gemacht, da hätte ich die Gesichter sehen wollen.

    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben eine wunderschöne Weihnachtszeit …

    Liebe Grüße, Renate

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  1. […] süßem Hefeteig. Sie haben die Form eines stilisierten Mannes, da sie sich je nach Region auf den → Bischof Nikolaus von Myra und den heutigen Nikolaustag oder aber wie in meiner nordrhein-westfälischen Heimat auf den […]



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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

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