Johanniskraut – Bild: PixelAnarchy/Pixabay

Johanniskraut

An den Tupfen erkennt man es sofort: Hält man die Blüten des Johanniskrautes (Hypericum perforatum) gegen das Licht, wird man vieler heller kleiner Punkte gewahr: Sekretbehälter, die eine Flüssigkeit aus ätherischen Ölen und Harz enthalten. Zerreibt man die goldgelben Blüten sanft zwischen den Fingern, verfärben sie sich blutrot, der charakteristischen Farbe des Johanniskrautöls. Dieser wundersame Farbumschlag entsteht dadurch, dass Licht und Sauerstoff die Inhaltsstoffe der Blüten zersetzen.

Die mehrjährige Johanniskrautpflanze wird bis zu 90 Zentimeter hoch. Die reich verzweigten, verholzten Stängel sind von Mai/Juni bis August/September über und über mit den fünfstrahligen Blüten übersät. Zu finden ist diese ölreiche Pflanze, deren Blätter ebenfalls dicht von Öldrüsen überzogen sind, an Wegrändern, Dämmen, Feldrainen, in lichten Wäldern und Gebüschen – am liebsten in der vollen Sonne, die sie für ein üppiges Wachstum benötigt.

 

Johanniskraut - Bild: Arne Horst Schneider für WALA Heilmittel GmbH

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

 

Heimat:

Ursprünglich stammt das Johanniskraut aus Europa und Sibirien. Es ist von Mittelsibirien bis China und Nordafrika weit verbreitet, im Ostasien, Nord- und Südamerika, Australien und Neuseeland wurde es eingeschleppt.

 

Inhaltsstoffe:

Ätherische Öle, Flavonoide, Harze, Gerbstoffe und Hypericin.

 

Verwendung:

Paracelsus war von der wundheilenden, antiseptischen und ausleitenden Wirkung des Johanniskrautes überzeugt. Er sah in der porenähnlichen Durchlöcherung der Blätter, dass die Pflanze bei allen offenen Stellen der Haut, sowohl innerlich als auch äußerlich, eine Hilfe sein könne und auch hilft, Giftstoffe über die Poren auszuscheiden.

In der Tat regt Johanniskraut die Blutzirkulation an und trägt Aufbau- und Ernährungsprozesse bis in die Nerven- und Sinnessphäre hinein. Mit seinen beruhigenden, schmerzlindernden und wundheilenden Eigenschaften hilft es nicht nur bei Witterungsschäden, Schrunden und Reizungen der Haut, die mit Rötungen einhergehen, sondern auch bei leichten Verbrennungen. Einreibungen mit dem charakteristischen »Rotöl« helfen bei Nervenschmerzen, Rheuma, Hexenschuss und Verstauchungen. Zur Stimmungsaufhellung wird das Johanniskraut innerlich bei Depressionen eingesetzt. Auch Bettnässen, das meist seelische Ursachen hat, kann mit der Einnahme von Johanniskraut behandelt werden.

 

Photosensibilisierung?

Immer wieder wird von der Photosensibilisierung durch Johanniskraut gesprochen: Tatsächlich reagiert die Haut nach seiner innerlichen Anwendung stärker auf Sonneneinstrahlung. Das konnte man jedenfalls bei Tieren beobachten: Bei Weidetieren mit heller Haut, die viel Johanniskraut gefressen hatten, fand man Hautausschläge und Bläschenbildungen. Beim Menschen konnten solche Effekte, wenn überhaupt, dann erst nach einer drastischen Überdosierung mit Johanniskrautpräparaten festgestellt werden. Dieser Effekt tritt nur sehr selten auf, wenn Johanniskraut äußerlich, zum Beispiel als Öl angewendet wird. Hier wirkt es – im Gegenteil – sogar bei der Nachbehandlung von Sonnenbrand beruhigend auf die Haut.

 

Wissenswertes:

Der Name Hypericum soll daher rühren, dass man durch die hellen Sekretbehälter der Blätter ein Bild sehen, also hindurchschauen kann (Griechisch: hyper = über, ericos = Bild). Um das Johanniskraut ranken sich viele Legenden. Eine davon besagt, dass es aus dem Blut Johannes des Täufers hervorgegangen sein soll. Nach einer anderen Version soll Johannes unter dem Kreuz Christi die vom Blut des Erlösers getränkte Pflanze gesammelt haben. Die daraus entstandene Namensgebung Johanniskraut wurde maßgeblich dadurch unterstützt, dass die Ärzte und dienenden Brüder des Johanniterordens, deren Namenspatron Johannes der Täufer ist, Hypericum schon zur Zeit der Kreuzzüge gern zur Wundbehandlung eingesetzt haben.

In seiner Wut über die außerordentliche Heilkraft soll der Teufel mit einer Nadel über das Kraut hergefallen sein und es tausendfach durchlöchert haben. Für diese Legende sprechen die vielen schwarzen Punkte der Öldrüsen auf den Blättern, die, hebt man sie gegen das Licht, wie Nadelstiche aussehen.

Den roten Saft, der beim Zerreiben der Blüten hervorquillt, deutete man bei den germanischen Völkern als Blut des Sonnengottes Baldur, der sich immer zur Zeit der Sonnenwende der Erde opferte. Das Johanniskraut gibt sich wie keine andere Pflanze der Sonne hin und gehört zu den magischen Pflanzenwesen der Sommersonnenwende. Wenn sie zu Johanni am 24. Juni, drei Tage nach der Sonnenwende, in schönster Blüte steht und die volle Kraft der Sommersonne in sich trägt, soll sie am heilkräftigsten sein. Jetzt hat das Licht seinen Höhepunkt erreicht, und die Sonne hält Hochzeit mit der Erde.

Zu Ehren dieses Tages der Verbindung des Lichtes mit der Erde, des Geistes mit der Materie, feiern die Menschen seit Urzeiten große Feste. Dieser Tradition folgend, kann man bis heute die Sonnwendfeuer in der Sonnenwendnacht leuchten sehen. Aufgrund seiner Fähigkeit, Dämonen zu verjagen, wurde das Johanniskraut auch als »fuga daemonum« (Jageteufel) bezeichnet und an die Türen und Fenster der Häuser und Ställe gesteckt, um Gewitter und Behexung fernzuhalten. Übrigens eignet sich ausgekochtes Johanniskraut auch zum Färben von Textilien; es entsteht dabei ein gelber bis gelbgrüner Farbton.

 

Das miaut Schrödingers Katze:

Meouw! Ich mag Johanniskraut sehr gern und habe immer Johanniskrauttee, Johanniskrautöl und Johanniskrautsalbe im Haus. Ersteren trinke ich vor dem Schlafengehen bei innerer Unruhe – er hilft prima bei Einschlafstörungen. Das Öl verwende ich zu kosmetischen Zwecken und die Salbe nutze ich bei leichten Verletzungen in Haushalt und Garten. Außerdem finde ich die Blüten der Johanniskrautpflanze so hübsch, dass ich stets drei Büsche auf meinem Balkon pflege. Was für Erfahrungen hast du mit Johanniskraut gemacht? Ich bin gespannt auf deine Antwort und schnurre wie immer bei jedem Kommentar!

XOXO

Schrödingers Katze

[Quelle: WALA Heilmittel GmbH via medicalpress]

Comments
One Response to “Johanniskraut”
  1. Man sollte sich wirklich viel mehr mit den Pflanzen die uns umgeben beschäftigen 😉 weil viele davon sind sehr gut für unsere Gesundheit – Danke für diesen aufschlussreichen Bericht!

    LG Katrin

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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

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