Junges Angebot ohne Jugendliche? – Bild: Unsplash/Pixabay

Junges Angebot ohne Jugendliche?

ARD und ZDF starten am 1. Oktober das neue Netzwerkangebot »funk« für junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren. Grundsätzlich eine gute Idee! Das Problem: Es gibt keinen jugendlichen Programmbeirat für »funk«. Die Jugendpresse Deutschland kritisiert zu Recht: So kann kein zielgruppengerechtes Programm entstehen.

Schon morgen fällt der Startschuss. Mehr als 40 eigenständige und neue Netzformate soll es geben, die »online only« über YouTube, Facebook & Co. veröffentlicht werden. Ausgewählte Serien wie »The Aliens« oder »Twentysomething« werden hingegen ausschließlich in der »funk«-App (Android und iOS) und auf der Website von »funk« zu sehen sein.

Die Jugendpresse Deutschland begrüßt die Entscheidung der Landesregierungen vom 17. Oktober 2014, mit der die Schaffung des Angebotes in die Wege geleitet wurde. Laut dem Beschluss der Regierungschefs der Länder sei das Ziel des Jugendangebotes von ARD und ZDF, der jungen Zielgruppe ein identitäts- und demokratiestiftendes, meinungsbildendes Angebot zu machen. Dieses soll wie seine Zielgruppe auch Grenzen austesten und dabei ehrlich und authentisch sein. Bei der inhaltlichen Ausgestaltung des Programms wird auf große Vielfalt gesetzt. Mit den programmlichen Schwerpunkten Information, Fiktion, Comedy, Musik und Wissen sollen die Interessen und Lebensrealitäten der Zielgruppe möglichst nah abgebildet werden. Doch wie wird die Einhaltung dieser Vorgaben kontrolliert?

Es gibt keinen Programmbeirat für »funk«, der sich aus der formulierten Zielgruppe zusammensetzt. Die Jugendpresse Deutschland schätzt diese Situation sehr kritisch ein. »Programm für Jugendliche funktioniert nicht ohne Partizipation von Jugendlichen. Eine Programmredaktion, deren Mitglieder nicht in der Zielgruppe des Programms sind, werden niemals die Lebensrealität und die Interessen der Zielgruppe einschätzen können«, sagt Maximilian Gens, Bundesvorstand der Jugendpresse Deutschland. »Deshalb fordern wir die Einrichtung eines Programmbeirates für ›funk‹, der aus jungen Menschen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren besteht. Nur so kann eine stetige Evaluation und Verbesserung des Programms nah an der Zielgruppe erfolgen.«

 

Das Internet ist vorbei?

 

Über die Jugendpresse Deutschland:

Die Jugendpresse Deutschland ist der Bundesverband für junge Medienmacher. Vom Schülerzeitungsredakteur bis zum jungen Volontär begleitet sie ihre Mitglieder in den Beruf, bildet mit fast 300 Seminaren im Jahr aus, veranstaltet unter anderem die Jugendmedientage und den Jugendmedienworkshop im Deutschen Bundestag als Events für den Kontakt und die Diskussion zwischen Profis aus Medien und Politik und dem Nachwuchs. Beim Schülerzeitungswettbewerb der Länder zeichnet die Jugendpresse Deutschland jedes Jahr die besten jungen Blattmacher aus. Sie stellt den Jugend-Presseausweis zur Verfügung und bietet die Möglichkeit, im Rahmen von interessanten Veranstaltungen journalistisch zu berichten. Mit ihrem Engagement erreicht die ehrenamtlich agierende Jugendpresse Deutschland derzeit rund 15 000 junge Medienschaffende aus der gesamten Republik.

 

Bananenschneckerls Resümee:

Ach herje … Wie soll das »funk«tionieren? Ich bin sicher das, was im Volksmund so gern als »jung geblieben« bezeichnet wird. Hihi … Dennoch würde ich mir niemals anmaßen, ein Netzwerkprogramm für junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren auf die Beine zu stellen, ohne im Dialog mit der Zielgruppe zu stehen.

Sicher, die Macher wollen ihre Nutzer dort abholen, wo sie sich ohnehin schon tummeln: YouTube, Facebook, Instagram, Snapchat, WhatsApp … Doch kann das wirklich klappen? Junge Menschen haben heutzutage kaum noch Berührungspunkte mit ARD und ZDF. Eine Blitzumfrage unter den Kindern meiner Freunde ergab, dass nur drei (!) von zwölf überhaupt schon etwas von dem neuen Angebot mitbekommen haben. Tante Sissi ist mit ihren 47 Jahren mal wieder informierter als die Zielgruppe. Ob sich »funk«-Chef Florian Hage (41), ehemaliger stellvertretender Programmchef von ARTE, bei dieser Nummer nicht massiv verrechnet hat?

Ich bin gespannt! Ebenfalls äußerst interessant finde ich, dass ARD und ZDF bislang nur im Netz aktiv sein durften, wenn es einen klar erkennbaren Bezug zu einer Fernseh- oder Radiosendung gab. Für »funk« gilt dies nicht. Hier kann sich der Senderverbund aus SWR/WDR/NDR und den übrigen Mitgliedern der ARD zusammen mit dem ZDF voll austoben. Fragt sich nur, ob und wer sich das alles anguckt. Die → Website überzeugt mich jedenfalls schon mal nicht. Und das Werbevideo auf YouTube ist einfach nur schwachsinnig. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens die App mehr Eindruck macht. Und dass irgendwann auch mal die jungen Menschen gefragt werden, was sie überhaupt wo sehen wollen.

Was hältst du von dem neuen Angebot »funk« von ARD und ZDF? Ich freue mich wie immer über deinen Kommentar!

XOXO

Sissi

[Quelle: → Jugendpresse Deutschland und eigene Recherche]

Comments
One Response to “Junges Angebot ohne Jugendliche?”
  1. Hallo Sissi,

    ARD und ZDF sind einfach Programme für die etwas gesetztere Zielgruppe und ich weiß nicht: *hmmm… sie passen einfach nicht zur Jugend, denn dafür müssten sie ihr ganzes Programmsystem umstellen und das werden sie nie schaffen!

    Die Jugend zu begeistern wird immer schwerer, weil die Schwerpunkte sich da ständig ändern und mal das Hipp ist, und morgen wieder etwas anderes. Man nehme nur mal den Boom um Pokemon … Leider ist die Jugend nicht beständig und man weiß nicht wo man sie greifen soll – zumindest nicht mit TV und schon gar nicht mit ARD oder ZDF!

    LG Katrin

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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

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