Essen nach Doshas - Bild: Nisha Gill (Pani Puri)

Essen nach Doshas

Die ayurvedische Ernährungslehre leitet sich aus einer mehr als 3 500 Jahre alten Sammlung altindischer Medizinbücher ab. Nach diesen soll eine der individuellen Konstitutionen entsprechende Lebensmittelauswahl die Gesundheit erhalten – und ein Weg zu mehr Selbsterkenntnis sein. Sieht man vom spirituellen Hintergrund ab, handelt es sich aus ernährungswissenschaftlicher Sicht um eine durchaus empfehlenswerte Kostform – wenn auch um eine sehr aufwendige.

Nach dem Verständnis des Ayurveda bestehen der Mensch und seine Umgebung aus den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum (Äther). Auch die Nahrung setzt sich daraus zusammen und sorgt so für den Bestand dieser Elemente im Körper. Sie bilden wiederum die Grundlage für die drei Lebensenergien (Doshas) und verursachen eine Wechselwirkung zwischen dem Menschen und seiner Ernährung.

 

Die Doshas – Vata, Pitta und Kapha:

Der Mensch besitzt nach der Lehre des Ayurveda eine individuelle Kombination der drei Doshas Vata, Pitta und Kapha, welche die psychischen und physischen Abläufe im Körper bestimmen. Jedes Dosha setzt sich aus zwei der fünf Grundbausteine des Lebens zusammen: Vata aus Raum (Äther) und Luft (gilt als Lebensenergie), Pitta aus Feuer und Wasser (für biochemische Vorgänge im Körper), Kapha aus Wasser und Erde (für die Struktur des Körpers).

Bleiben die Energien, die jeder Mensch in unterschiedlicher Ausprägung von Geburt an hat, in ihrer ursprünglichen Verteilung erhalten, bedeutet dies Gesundheit. Wird die Verteilung jedoch gestört, führt dies zu Unwohlsein und Krankheit. Nach dem Ayurveda trägt die Ernährung entscheidend zur Aufrechterhaltung der ursprünglichen Dosha-Verteilung bei.

 

Doshas bestimmen die Ernährung:

In der ayurvedischen Ernährungslehre bestimmen die Doshas eines Menschen die individuelle Zusammensetzung seiner Nahrung. Die Lebensmittel werden entsprechend ihrer vorherrschenden Eigenschaft als süß, sauer, salzig, scharf, bitter oder adstringierend eingeteilt. Die Ernährung setzt sich aus allen sechs Geschmacksrichtungen zusammen, wobei jedoch je nach Jahreszeit, individueller Konstitution und eventuell vorliegenden Krankheiten Lebensmittel mit bestimmter Geschmacksrichtung bevorzugt aufgenommen werden sollten.

 

Ernährung für Vata-Typen:

Menschen, bei denen Vata in der Kombination der Doshas überwiegt, sind nach der ayurvedischen Ernährungslehre schlank bis zierlich und beweglich, haben einen leichten Knochenbau und schwache Muskeln, neigen zu trockener Haut und Falten, ermüden und frieren leicht, obwohl sie immer in Bewegung und von einer gewissen Unruhe gekennzeichnet sind. Menschen mit hohen Vata-Anteilen sind der Lehre zufolge kreativ, heiter und flexibel. Sie verfügen über einen wachen Geist, bewegen sich gern und nehmen schwer zu. Diese Menschen neigen zu Verdauungs- und Schlafstörungen und sollten – so empfehlen die Anhänger dieser Ernährungslehre – leicht verdauliche, ölige und warme Speisen wählen, welche salzig, sauer oder süß schmecken.

Überdies sollten sich Vata-Menschen sollten genügend Ruhe und Entspannung gönnen, täglich drei warme Mahlzeiten und viel warmen Tee zu sich nehmen. Blähende, schwer verdauliche Speisen wie Paprika, Kohl, Pilze und Rohkost sollten gemieden werden. Zum Würzen sollten Vata-Typen viel Zimt, Nelke, Ingwer und Safran verwenden.

 

Ernährung für Pitta-Typen:

Menschen, bei denen Pitta das stärkste Dosha ist, haben einen athletischen Körperbau, warme Haut, sind geistig und körperlich aktiv, gehen methodisch vor und eignen sich für Führungsaufgaben. Sie haben einen starken Willen, viel Energie und Entschlusskraft und verfügen über einen scharfen Intellekt, tendieren aber auch dazu, zu kritisch, ungeduldig und ungerecht sein.

Pitta-Menschen sollten sich vor Überforderung schützen und genug entspannen. Sie leiden häufig unter Hautkrankheiten und Infekten. In der Ernährung sollten alle übersäuernden, öligen und scharfen Lebensmittel gemieden werden. Für sie werden kühle und leichte Speisen mit den Geschmacksrichtungen bitter, süß und herb empfohlen. Alkohol, Kaffee, Milchprodukte, Zucker und Weißmehl sollten möglichst gemieden, die Gewürze Kurkuma, Koriander und Kardamom hingegen häufig verwendet werden.

 

Ernährung für Kapha-Typen:

Die kräftig gebauten Kapha-Typen verfügen über große Ausdauer und gute Muskelkraft, ihre langsamen Bewegungen sollen ihrer Gelassenheit entsprechen. Sie haben eine Neigung zu Übergewicht, träger Verdauung und langsamem Stoffwechsel, neigen zu Trägheit, Antriebslosigkeit und Cellulite. Kapha-Menschen sollten sich täglich bewegen, um die Trägheit zu überwinden.

Personen mit viel Kapha sind ausdauernd, liebenswürdig und geduldig. Sie haben ein großes Herz und viel Selbstvertrauen. Bei Ungleichgewicht neigen sie zu Starrsinn und Geiz und sind anfällig für Erkältungen und Depressionen. In der Ernährung sollten fette, schwere Mahlzeiten gemieden werden, Zucker und Weißmehlprodukte sind ebenfalls nicht empfehlenswert. Kapha-Menschen wird geraten, viel frisches Obst und Gemüse zu essen. Die Speisen der Kapha-Typen sollen nach der ayurvedischen Ernährungslehre leicht und trocken sein und die Geschmacksrichtungen scharf, bitter und herb haben. Hier sind Chili und Ingwer besonders empfehlenswert. Der Kapha-Typ sollte drei Mahlzeiten am Tag essen, wobei er abends nur eine ganz leichte Mahlzeit zu sich nehmen sollte, z. B. eine Suppe oder gedünstetes Gemüse.

 

Weitere Ernährungsempfehlungen im Ayurveda:

Darüber hinaus gelten in der ayurvedischen Ernährungslehre ergänzende allgemeine Ernährungsempfehlungen. So sollte man nur dann essen, wenn man auch wirklich Hunger hat und sich nicht völlig satt essen. Mittags sollte die Hauptmahlzeit, abends nur eine leichte Mahlzeit eingenommen werden. Das Essen sollte grundsätzlich in ruhiger Umgebung und nie in angespanntem Zustand zu sich genommen werden. Zwischen Essen und Trinken sollte ein zeitlicher Abstand eingehalten werden.

Getreidespeisen aus Reis, Weizen, Gerste etc. eignen sich für jede Jahreszeit, Milch und Traubensaft sind hervorragende Getränke für den Sommer, Joghurt dagegen ist aufgrund seiner erhitzenden Eigenschaft als Nahrungsmittel eher für den Winter geeignet.

In der kalten Jahreszeit sind generell Nahrungsmittel und Getränke empfehlenswert, die Vata nicht vermehren, da Vata die Eigenschaft der Kälte besitzt. In der warmen Jahreszeit sind Nahrungsmittel und Getränke, die Pitta nicht vermehren, empfehlenswert, da Pitta die Eigenschaft der Hitze besitzt.

 

Ernährungswissenschaftliche Sicht auf Ayurveda:

Die hier vorgenommene, sehr vereinfachte Darstellung, kann nur einen groben Einblick in die Jahrtausende alte Denkweise des Ayurveda geben. Vertieft man sich in die Hintergründe, sind viele Aussagen aus heutiger, westlicher und naturwissenschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar. Wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser Ernährungslehre existieren bislang nicht. Die Ernährung besteht aus viel Gemüse, Obst, Kräutern, Getreide, Hülsenfrüchte und Milchprodukten. Auf Fleisch und Wurstwaren wird weitestgehend verzichtet. Ziel der Küche sind leichte Mahlzeiten, die gut verdaut werden. Wie die Verdauung überhaupt eine zentrale Rolle in dieser Ernährungsform spielt.

Die Anhänger der ayurvedischen Ernährungslehre gehen davon aus, dass eine gute Verdauung Voraussetzung für eine gute Gesundheit ist. Dabei wird die Verdauung durch scharfe und bittere Pflanzen und Gewürze unterstützt, daneben finden sich Ansätze zum heute aktuellen Dinner Cancelling: Es wird empfohlen, hin und wieder abends nicht zu essen oder spätestens um 18 Uhr die letzte Mahlzeit zu sich zu nehmen.

Die ayurvedische Ernährungsweise ist somit im Prinzip positiv zu bewerten, da sie eine frische, fettarme, abwechslungsreiche und vorwiegend lactovegetabile Kost empfiehlt. Der küchentechnische (Zeit-)Aufwand ist jedoch nicht selten beträchtlich.

 

Abnehmen mit ayurvedischer Ernährung:

Eine »Ayurveda-Diät« im herkömmlichen Sinne des Wortes mit dem Ziel, Gewicht zu verlieren, gibt es ursprünglich nicht, obwohl sie heute vermarktet wird. Man geht im Ayurveda davon aus, dass jeder sich individuell verschieden, seinem Dosha entsprechend, ernähren muss. Wird das umgesetzt, verschwindet das Übergewicht von selbst. Ziel dieser Ernährung ist es, den Körper zu entgiften, den Stoffwechsel anzuregen, Fett ab- und Muskeln aufzubauen. Dazu bedient man sich neben der richtigen Ernährung auch Bewegung und Massagen.

Übergewichtige besitzen meist einen hohen Kapha-Anteil. Sie sollten deshalb die Elemente Luft und Feuer im Körper stärken, also viel Scharfes, Bitteres und Herbes essen und nur wenig Süßes, Saures und Salziges. Der Schwerpunkt liegt auf Gemüse. Viele Empfehlungen der ayurvedischen Ernährung entsprechen den heutigen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung und helfen somit automatisch beim Abnehmen.

 

Das miaut Schrödingers Katze:

Meouw! Ich gebe es ja ungern zu, aber ich bin ein Kapha-Typ. Lustigerweise passt dazu irgendwie sogar meine Berufswahl im sozialen Bereich. Weniger lustig ist ein Blick auf meine Waage … Da muss sich noch einiges tun, bevor ich entspannt Weihnachtsplätzchen backen und futtern kann. Ab sofort gibt es abends bei mir nur noch leichte Suppen mit viel Gemüse!

Mein Interesse an der ayurvedischen Ernährungslehre wurde übrigens durch wiederholte Besuche in indischen Restaurants geweckt. Dort entdeckte ich neben vielen Speisen den Hinweis »ayurvedisch« oder sogar konkrete Empfehlungen für die einzelnen Doshas. Das fand ich spannend und habe mich inzwischen ein wenig in die Materie eingelesen. Eigene Küchenexperimente sind meist aufgrund von mangelnder Zeit gescheitert, was ich sehr bedauere. Denn warum sollte ich mich mit Kalorienzählen plagen, wenn es doch genügt, mich meinem Dosha gemäß zu ernähren? Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert!

Was hältst du von der ayurvedischen Ernährung? Hast du damit schon eigene Erfahrungen gesammelt? Gibt es ein gutes Kochbuch, das du mir empfehlen kannst? Ich bin gespannt auf deine Antwort und schnurre wie immer bei jedem Kommentar!

XOXO

Schrödingers Katze

[Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung]

Comments
2 Responses to “Essen nach Doshas”
  1. Andrea sagt:

    Dann bringe ich dich mal zum Schnurren. 🙂

    Ich bin sehr interessiert an Ayurveda, habe auch jede Menge Bücher da. Leider schaffe ich es bisher nicht, die Ernährung nach meinem Dosha richtig durchzuziehen… Ich bin übrigens ein absoluter Vata-Typ.

    Liebe Grüße!

    • So geht es mir meist leider auch. Nur in den Ferien komme ich dazu, ein wenig aufwändiger zu kochen. Aber irgendwann nehme ich mir die Zeit und stelle meine Ernährung komplett um. Jetzt versuche ich es erst einmal mit den abendlichen Suppen – bislang klappt das ganz gut.

      XOXO

      Schrödingers Katze

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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

Ihr zur Seite steht ein erfahrenes Team von Autoren, die sich im Blog ebenfalls regelmäßig zu Wort melden. Schau am besten öfter mal bei uns vorbei!