Kochen und Dekorieren mit Wildpflanzen - Bild aus dem Buch: Celia Nentwig, Hella Henckel: »Meine neuen Wildpflanzenrezepte mit vielen Deko-Ideen« (Wildpflanzenbutter)

Kochen und Dekorieren mit Wildpflanzen

Köstliche Rezepte, essbare Dekorationen und Geschenkideen – all das kann man mit Wildpflanzen machen. Das die Natur schmackhafte und gesunde Zutaten für die Küche bereit hält, erklärt uns die Kräuterpädagogin Celia Nentwig im Interview. Sie hat bereits zwei Bücher über Wildkräuter veröffentlicht, in denen sie ihre Leser auf eine spannende Reise in die Welt der Kräuter mitnimmt.

 

Frau Nentwig, wie kamen Sie dazu, sich mit Wildpflanzen zu beschäftigen?

Eher per Zufall und eine glückliche Verkettung von unterschiedlichen Lebenssituationen. Eine gesundheitliche Zwangspause vom Beruf, der Umzug direkt an ein Naturschutzgebiet, die Möglichkeit, die dortigen Pflanzen zu entdecken und später der Wunsch, sie bestimmen zu wollen. Damit war die Neugierde auf die Pflanzenwelt geweckt. Dass sie essbar sind, habe ich dann später in Seminaren erfahren und für mich entdeckt.

 

Das Ergebnis war, dass Sie sich zur Kräuterpädagogin haben ausbilden lassen?

Richtig. Die Qualifikation zur Kräuterpädagogin gab mir viel botanisches, pädagogisches und praktisches Wissen mit auf den Weg. So freue ich mich heute, dass ich auf der einen Seite durch meine Kurse viele Menschen für die Natur begeistern kann und auf der anderen Seite durch Bekanntschaften neue Freundschaften entstanden sind.

 

Was ist zu beachten, wenn man Pflanzen aus der Natur holt?

Man sollte keinen Raubbau an der Natur vornehmen und nur so viel entnehmen, wie man für den Eigenbedarf benötigt. Dies sollte schonend geschehen, also von jedem Plätzchen nur etwas, ohne dass ein Standort leer geerntet wird. Auch sollte man nur von gesunden, kräftigen Pflanzen ernten. Und schon aus eigenem Interesse erntet man keine Pflanzen direkt vom Wegesrand – gleiches gilt bei gedüngten Wiesen bzw. landwirtschaftlich genutzten Flächen.

 

Kann man überall Pflanzen aus der Natur entnehmen?

In Landschaftsschutzgebieten ist das Ernten erlaubt, in Naturschutzgebieten jedoch nicht. Deshalb sind unbedingt die entsprechenden Hinweisschilder zu beachten. Verboten ist natürlich auch das Sammeln von geschützten oder seltenen Pflanzen.

 

Was ist bezüglich des Fuchsbandwurmes zu beachten?

Grundsätzlich sollten das Sammelgut immer gut abgewaschen werden, damit ist schon viel erreicht. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann die Pflanzen kurz auf 70 Grad Celsius erhitzen. Die Inkubationszeit beträgt zehn bis 15 Jahre, da ist es schwierig rückblickend zu wissen, wo und wie man sich infiziert hat. Auch ist das Krankheitsbild sehr indifferent, sodass es häufig eine längere Zeit braucht, bis die Diagnose Fuchsbandwurm gestellt wird. Übrigens: Gefährdete Personengruppen sind auch Hundebesitzer, die z. B. ihre Hunde streicheln, sich nicht die Hände waschen, aber dann in der Küche rohe Speisen zubereiten. Ebenso Landwirte, die bei der Bodenbearbeitung trockenen Erdstaub und damit die lungengängigen Eier des Fuchsbandwurmes einatmen.

 

Wie kamen Sie zu den Rezepten und haben Sie diese alle selbst ausprobiert?

Natürlich hole ich mir Anregungen aus allen möglichen Quellen. Viele Rezepte erhielt ich während meiner Ausbildung. Mein größter Inspirator ist der Sterne-Naturkoch Jean Marie Dumaine aus Sinzig. Grundsätzlich probiere ich alle Rezepte selber aus, um sie dann nach eigenem Gusto kreativ zu verändern, zu verfeinern, zu optimieren. Wichtig ist mir, dass die Rezepte unkompliziert sind und leicht nachgekocht werden können. Schließlich setze ich sie auch mit meinen Seminarteilnehmern bei meinen Events ein.

 

Viele Wildpflanzen beinhalten Bitterstoffe. Haben Sie einen Tipp, was man dagegen tun kann?

Bitterstoffe sind grundsätzlich erwünscht, machen sie doch häufig den spezifischen Geschmack aus, denken Sie nur an Rauke, Chicoree oder Löwenzahn. Mildern kann man sie z. B. beim Löwenzahn, indem man die Blätter für zehn bis 15 Minuten in Salzwasser wässert und sie für den Salat in feine Streifen schneidet und mit anderem Salat mischt. Grundsätzlich sollten die Wildpflanzen nicht mitgekocht werden, Ausnahmen bilden unter anderem der Giersch und die Brennnessel. Die Bitterkeit der Schlehenfrüchte verliert sich, wenn man sie ein paar Tage ins Gefrierfach legt – oder man wartet einfach, bis der natürliche Frost die Beeren zu schmackhaften Naturgenüssen gemacht hat.

 

Die Bücher von Celia Nentwig:

Wer gern selbst einmal Wildkräuter sammeln gehen und die vielfältige Welt der Wildkräuterentdecken möchte, der kann im aktuellen Ratgeber »Wildpflanzen – Köstliche Rezepte, essbare Dekorationen und Geschenkideen« von Celia Nentwig viele Tipps und Inspirationen finden. Außerdem von der Autorin in Zusammenarbeit mit Hella Henckel erschienen: das Buch »Meine neuen Wildpflanzenrezepte mit vielen Deko-Ideen«.

 

»Wildpflanzen – Köstliche Rezepte, essbare Dekorationen und Geschenkideen« - Bild: erlag BLOOM’s by Ulmer

»Wildpflanzen – Köstliche Rezepte, essbare Dekorationen und Geschenkideen«
von Celia Nentwig.
170 Seiten; Format: 280 mm x 250 mm; über 230 Farbfotos
Verlag: BLOOM’s by Ulmer, Stuttgart, 2012
ISBN: 978-3-8001-7717-2
16,90 Euro

 

 

 

»Meine neuen Wildpflanzenrezepte mit vielen Deko-Ideen« - Bild: Verlag BLOOM’s by Ulmer

»Meine neuen Wildpflanzenrezepte mit vielen Deko-Ideen«
von Celia Nentwig und Hella Henckel.
176 Seiten; Format: 250 x 280 mm,
Verlag: BLOOM’s by Ulmer, Stuttgart, 2014
ISBN 978-3-8001-8090-5
Euro 16,90

 

 

 

Rezeptbeispiel: Couscous-Salat mit Wildkräutern:

Zutaten für das Dressing:
– 1 Knoblauchzehe
– 3 El frisch gepresster Zitronensaft
– 1 TL Honig (alternativ: 1/2 TL Bio-Rohrohrzucker oder Agavendicksaft)
– 3 El natives Olivenöl
– 3 EL (vegane) Buttermilch
– zum Abschmecken: selbst gemachtes Kräutersalz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer, Muskatnuss

Zutaten für den Salat:
– 1/2 gewürfelte Zwiebel
– 100 g geraspelte Karotten
– 100 g fein geschnittener Fenchel
– 1 kleiner geraspelter Apfel
– 80 g Couscous
– 200 ml Wasser
– 50 g frische Kräuter: Spitzwegerich, Giersch, Knoblauchsrauke, Gundermann, Sauerampfer, Kleiner Wiesenknopf, Zitronenmelisse, Pfefferminze
– zum Garnieren: Wiesenschaumkrautblüten und Zitronenmelisseblätter

Zubereitung des Couscous-Salates mit Wildkräutern:
Alle Dressingzutaten verrühren und abschmecken. Couscous nach Packungsangabe zubereiten. Kräuter waschen und trocken schleudern, zupfen und fein hacken. Die Salatzutaten mit dem Dressing vermengen, 30 Minuten ziehen lassen und noch einmal abschmecken. Den fertigen Salat mit Wiesenschaumkrautblüten und Zitronenmelisseblättern garnieren. Kühl servieren.

Tipp:
Als besonderes Salat-Topping verwende ich gern ein Bukett aus essbaren Blütenpflanzen wie Gundermann, Veilchen, Ackerstiefmütterchen und Wiesenschaumkraut. Dafür ein Sträußchen zusammenlegen, mit einem dünnen Streifen Salatgurke umwickeln und mit einem Holzspießchen zur Fixierung durchstechen.

 

Couscous-Salat mit Wildkräutern - Bild: BLOOM'S by Ulmer

 

Bananenschneckerls Resümee:

Eine tolle Frau und zwei tolle Bücher! Gerade jetzt im Sommer lohnt es sich, öfter mal einen Blick hineinzuwerfen und sich von den wunderbaren Rezepten inspirieren zu lassen. Kaufen kannst du sie im örtlichen Buchhandel und im → BLOOM’S-Webshop. Wildkräuter begleiten mich übrigens schon fast mein ganzes Leben lang. Besonders gern erinnere ich mich an eine Projektwoche in der Mittelstufe, während der ich an einem Wildkräuterkurs bei meiner Chemielehrerin teilgenommen habe. Wir sind rausgezogen in die Natur, haben gemeinsam Kräuter gesammelt und anschließend damit gebacken und gekocht. Leider sind die Rezepte im Laufe der Jahrzehnte verloren gegangen. Nur gut, dass es aktuelle Bücher wie die von Kräuterpädagogin Celia Nentwig gibt!

Hast du auch schon mal mit Wildkräutern gekocht oder gebacken? Was ist dein Lieblingsrezept? Ich freue mich wie immer über deinen Kommentar!

XOXO

Sissi

[Rezept: Celia Nentwig // Fotos: BLOOM’s by Ulmer]

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Sissi ist ein echter Workaholic und als Lifestyle Scout stets auf den Spuren der neuesten Trends unterwegs. Könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Wahlmünchnerin allerdings mit den Füßen im Sand und dem Kopf in den Wolken - ihr Tablet immer in Reichweite. Als Autorin und Bloggerin liegen ihr die Themen gesunde Ernährung und Naturkosmetik besonders am Herzen. Schminktechnisch bleibt sie sich bei aller Liebe zu Trends seit Jahren treu. Ihr Markenzeichen: ein roter Lippenstift.

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